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Rezension: Die Wubbjes helfen der Natur
Artenschutz, Freundschaft und Sachanleitungen in einem Buch

Über sein Einpflanzbuch "Die Wubbjes helfen der Natur" sagt Autor Kai Behncke selbst: "Mit diesem Buch wollen wir ein Zeichen setzen! Ein Zeichen gegen das Insektensterben!". Ein Bestreben, das nicht nur durch zahlreiche Ausrufezeichen, sondern durch das gesamte Konzept des Buchs deutlich gemacht wird. Denn selten wurde ein ökologischer Ansatz derart konsequent verfolgt wie bei den Wubbjes: Das Buch ist nicht nur mit öko-zertifizierten Materialien produziert, auch beim Druckverfahren steht die Umwelt im Vordergrund. 10% mehr Emissionen als eigentlich nötig werden kompensiert, so dass man es nicht nur mit einem klimaneutralen, sondern klimapositiven Druck zu tun hat. Wem das nicht genug ist, der kann das Cover des Buchs abtrennen und in ein Stückchen Blühwiese umwandeln, denn in dem Papier steckt insektenfreundliches Saatgut - daher auch "Einpflanzbuch".

Doch wer sind eigentlich die Wubbjes? Drollige Fabelwesen, die mit Kobolden oder Klabautern verwandt sind. Nicht größer als ein Kaninchen und mit strubbeligen Haaren. Ihre Haut ist zwar blau, doch das Herz schlägt grün: Sie stellen ihr Leben in den Dienst der Umwelt und vor allem ihrer putzigen Bewohner. Da wären etwa der Frosch HüpfeHops, der Wubbje Gorgonzola, die Hornisse Känguru, der Maulwurf Knäckebrot, die Hummel Hinkebein oder das Wildschwein Wolle. Die Namenswahl und Thematik macht bereits deutlich, dass sich das Buch an Kinder richtet. Dementsprechend herrscht zwischen der Fauna im Wubbjeland Frieden. Es gibt sogar ein Abkommen, dass niemand den anderen fressen darf, Idylle und Harmonie stehen beim Zusammenleben also vor ökologischer Korrektheit. Und auch die Menschen, die Wubbjes normalerweise gar nicht sehen können, haben meist ein gutes Herz. So wie die greise Frau Ammellie mit ihrer Katze oder der schrullige Pfarrer Elvis, der seinem Namen alle Ehre macht und unter dem Weihnachtsbaum vor Wubbjes, Meisen, Katzen und Schlangen Seemannslieder krakeelt.

So lauschig ein Wubbjeleben zunächst klingt, es gibt auch bedrohliche Seiten: Zahlreiche Umweltprobleme bereiten Kummer und Sorgen und es liegt an den Wubbjes mit Einfallsreichtum und ganz viel tierischem Teamwork dafür zu sorgen, dass etwa Wiesen insektenfreundlich blühen. Dunkel oder spannungsgeladen wird der Ton aber nie, der Lehraspekt steht stets im Vordergrund. So unterbricht der Autor die Geschichten durchaus auch für Anmerkungen und Anleitungen, beispielsweise zum Bau einer Wurmfarm oder einer Trockenmauer. Es ist deutlich, dass unter der prosaischen Oberfläche die Stories vor allem zum Natur- und Artenschutz motivieren sollen. Für die anvisierte Zielgruppe von 7 bis 12-jährigen dürfte die wonnig-weiche Wubbjewelt deshalb vielleicht etwas zu konfliktfrei und moralisierend sein, andersrum kann man sicherlich schon Kleinkindern aus dem Buch vorlesen. Dazu passen auch die Illustrationen von Markus Nimtz, die niedlich daherkommen und auch im Buch schön bunt und zahlreich abgedruckt sind.

Neben dem Hauptteil des Buches enthält das Buch eine Spezialgeschichte zum Thema Fußball. Hier lädt der Autor zu Beileidsbekundungen ein, indem er sich als Fan des Hamburger SVs outet. Das wird aus einer längeren persönlichen Anmerkung mitten in der Geschichte deutlich, in der er über lustlose, überbezahlte Profis schreibt und resümiert, dass man größer als der Abstieg sei. Im Buch stürmen tierische Leistungsträger wie Kevin Kegelrobbe, Fiete Ameise oder Heiko Westermaus, Willi Mümmelmann oder Pelle Wollschwein in Anspielung an reale Fußballer über den Platz. Mit Blick auf den realen Fußball kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass auch ein Wildschwein nicht schlechter als der reale HSV sein könnte - dessen Abstieg fand nämlich nur wenige Monate nach Veröffentlichung des Buches statt. Vielleicht hätte es geholfen, wenn die Hamburger Truppe wie im Buch mit "B-L-Ü-H-W-I-E-S-E-N!" oder "SCHAFFT B-I-O-T-O-P-E!"-Rufen angefeuert worden wäre. Ob es dem Wubbje-HSV ähnlich schlecht ergeht, bleibt leider offen, denn die Geschichte endet mit der Aufforderung, ein eigenes Ende an info@doktor-kalle.de zu mailen. Wer lieber lesen als schreiben möchte, kann mit diesem kreativen Kniff leider nichts anfangen. Alle anderen Geschichten im Buch sind aber abgeschlossen.

Wem vor allem an einer kinderfreundlichen, harmonischen und skurrilen Geschichte mit stark ökologischer Note gelegen ist, der ist mit den Wubbjes gut beraten. Das mehr als 130 Seiten starke Einpflanzbuch kann für Kinder der Einstieg in ein insektenfreundliches Leben sein und hat aufgrund seines Konzept Alleinstellungswert. Da es aufgrund seiner Aufmachung mit Samenpapier und Seilbindung einiges her macht, ist es auch gut als Geschenk für die UmweltschützerInnen von Morgen geeignet.

Autor: Kai Behncke
Die Wubbjes helfen der Natur: Das Einpflanzbuch
136 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-00-058412-1
24,80€
Erschienen im Doktor Kalle-Verlag


Stand: 04.11.2019