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Hintergrundinfo

Zierpflanzen vor Pilzkrankheiten schützen
Sauberes Gießwasser ist ein Muss

Krankheitserreger Nummer 1 im Zierpflanzenbau sind nach wie vor die Pilzkrankheiten. Während beim Menschen "nur" 50 Arten pathogen sind, haben Pflanzen mit mehr als 10.000 krankheitserregenden Pilzen zu kämpfen. Besonders bodenbürtige Pilze können eine ganze Kultur ruinieren und lassen sich selbst mit Fungiziden kaum bekämpfen. "Besonders häufig traten in letzter Zeit die Wurzel- und Stängelgrundfäule - Pythium - bei Ranunkeln und Primeln sowie die Stängelfäule - Phytophthora - bei Weihnachtsstern und Viola auf", berichtete Dr. Mareile Zunker vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg auf der Heidelberger Sommertagung Beet- und Balkonpflanzen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau.

Um Ausfälle zu vermeiden, gelte es konsequent vorzubeugen. Das heißt: die Fruchtfolge weit stellen, auf gesundes Saat- bzw. Pflanzgut achten sowie resistente Sorten bevorzugen. Da die Pilze über Boden- und Gießwasser übertragen werden, ist sauberes, sporenfreies Gießwasser ein Muss. So sollten Gärtner möglichst auf Oberflächenwasser verzichten, eine Anstaubewässerung vermeiden und auf eine gute Bodenbewässerung achten. Wer sein Gießwasser wiederverwenden will, sollte es vorher in einem Langsamsandfilter reinigen lassen.

Bei den Pilzen, die sich über die Luft verbreiten, ist in den letzten Jahren der Falsche Mehltau aggressiver geworden. Dieser Pilz befällt Rosen, Fleißiges Lieschen und viele andere Zierpflanzen. Zu erkennen ist er an blassgrünen Blättern und dichtem weißen oder grauem Sporenbefall an der Blattunterseite. Um ihn im Zaum zu halten, sollte die Fruchtfolge vielfältig, der Pflanzenbestand gut belüftet und die Blattnässeperiode möglichst kurz sein. Ernterückstände sind weitgehend zu beseitigen. Putzabfälle gehören nicht auf den Kompost.

Die gleichen Maßnahmen empfehlen sich auch gegen Rost- und Brandpilze wie Basidiomycota. Diese stark auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisierten Pilze machen sich neuerdings vermehrt in den Gartenbaubetrieben breit. Der Rostpilz findet sich auf Fleißiges Lieschen, Bartnelken, Fingerkraut, Silberblatt, Perlagonien und Rosen. Brandpilze schaden unter anderem Cosmea und Kokardenblume.

"Bei allen Pilzkrankheiten sind vorbeugende integrierte Maßnahmen konsequent auszuschöpfen. Nur so lässt sich der Verbrauch von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum senken", betont Zunker. Die Gartenbauingenieurin empfiehlt darüber hinaus, die Kulturen nahezu täglich zu kontrollieren, um aufkommende Krankheiten bereits im Keim zu ersticken. Allerdings sei es schwer, schnell und zuverlässig zu diagnostizieren. Im Zweifelsfall ist es möglich, eine Probe von der befallenen Pflanze zum LTZ Augustenberg oder ein Pflanzenschutzamt in der Nähe zu schicken und den Schädling oder Pilz analysieren zu lassen.

Jutta Schneider-Rapp

Stand 10.07.2015