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Hintergrundinfo

Alternative: Zweinutzungshuhn

Eier sind ein ausgesprochen beliebtes Lebensmittel in Deutschland: Durchschnittlich 218 Stück hat jeder Deutsche im Jahr 2013 verputzt. Immerhin neun Prozent davon stammten aus ökologischer Tierhaltung. Bioeier gehören damit zu den stark nachgefragten Bioprodukten.

Legehennen sind mittlerweile so gezüchtet, dass sie möglichst viele Eier legen. Das tun naturgemäß nur die weiblichen Tiere. In den befruchteten Eiern wachsen jedoch ebenso viele männliche Tiere heran. Diese Hähne wurden früher gemästet. So nutzte man die Eier vom Huhn und das Fleisch der Hähne. Die züchterische Spezialisierung zu hochleistenden Legehennen mit einer Legeleistung bis zu durchschnittlich 320 Eiern pro Jahr hat jedoch dazu geführt, dass die Eigenschaft, Fleisch anzusetzen, zurückgegangen ist. Die Tiere sind für eine effiziente Mast nicht geeignet. Zur Mast wurden deshalb wiederum andere spezialisierte Rassen gezüchtet, bei denen die Legeleistung der weiblichen Tiere keine oder eine nur untergeordnete Rolle spielt.

Ethischer Konflikt

Was geschieht mit den zu Millionen geschlüpften männlichen Küken? Wie können sie in der landwirtschaftlichen Produktion genutzt werden? Die Antwort war bisher ebenso ernüchternd wie gängige Praxis: Direkt nach dem Schlüpfen werden sie entweder durch Vergasung mit Kohlendioxid oder in einem "Schredder", dem sogenannten Homogenisator, getötet. Männliche Küken sind, kurz gesagt, Abfallprodukt der Legeindustrie. Diese Praxis betrifft den ökologischen Landbau ebenso wie den konventionellen. Auch im Ökolandbau werden vorwiegend dieselben Linien von Legehennen gehalten. Die massenhafte Vernichtung der Hähne bringt ethische Konflikte mit sich, und auch laut Tierschutzgesetz dürfen Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Darauf hat nun auch die Politik reagiert. Erstmals wollte das Bundesland Nordrhein-Westfalen das Töten der männlichen Küken verbieten. Laut Gericht hat der Bundesgesetzgeber im Tierschutzgesetz allerdings keine Ermächtigungsgrundlage für einen solchen Erlass geschaffen.

Ein Huhn, zwei Nutzen

Im Ökolandbau sind Alternativen gefragt und gefordert, denn hier sind der verantwortungsvolle Umgang mit dem Tier und die Berücksichtigung arteigener Bedürfnisse in besonderem Maße angestrebt. Die Haltung von sogenannten Zweinutzungsrassen ist eine mögliche Alternative, die ohne das Töten der Hähne umgesetzt werden kann. Hier legen die weiblichen Tiere die Eier, die männlichen Tiere können zur Mast behalten werden. Beide Leistungen - also Eier und Fleisch- sind zwar vergleichsweise geringer als die der einseitig spezialisierten Zuchtlinien, dafür können jedoch alle Tiere genutzt werden. Die geringere Leistung bedeutet für den Erzeuger auch weniger Einkommen. Hier sind die Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt: Mit fünf bis zwölf Cent Mehrkosten pro Ei können sie Initiativen unterstützen, die Alternativen auf den Markt bringen, wie beispielsweise die Bruderhahn Initiative oder die Aktion ei care. Regional finden sich in den verschiedenen Bundesländern Betriebe, die auch die männlichen Tiere zur Mast aufziehen und sowohl Fleisch als auch Eier über den Handel der Biobranche vermarkten. Das Fleisch dieser Hähne kostet durchschnittlich um die zwei Euro mehr pro Kilogramm, da die Mastzeit der Zweinutzungsrassen deutlich länger dauert. Auch dies kommt letztendlich dem Tier zugute, zu schnelles Wachstum belastet den Organismus und führt zu Krankheiten und erheblichen gesundheitlichen Schäden. Der Einsatz von Zweinutzungsrassen im Ökolandbau ist folglich eine ethisch vertretbare Lösung, mit Tieren verantwortungsvoll umzugehen.

Stand 08.04.2015