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Wikileaks-Pendant "GreenLeaks" geht ans Netz
Am Montag ging die Online-Plattform "GreenLeaks" ans Netz mit dem Ziel, Missstände bei Umwelt-, Klima- und Verbraucherschutz aufzudecken. Auch wenn das Prinzip ähnlich ist, will man anders arbeiten als Wikileaks. Aus Sicht der Initiatoren ist die Entwicklung der Online-Plattform Wikileaks ein voller Erfolg. Die Gruppe um Julian Assange deckte brisante Dokumente zum Tod von Zivilisten im Irakkrieg auf, bekam Zugang zu hochgeheimen Botschafts-Depeschen und will sich jetzt dem Kampf gegen Steueroasen widmen. Trotz dieser Bilanz kommt immer wieder Kritik an ihren Betreibern auf, nicht nur von Betroffenen: Die interne Struktur von Wikileaks sei intransparent, Assange widme den USA zu große Aufmerksamkeit und es würden nur internationale Themen aufgegriffen.

Die am Montag in Berlin ans Netz gegangene Plattform "GreenLeaks" hat nicht nur eine andere thematische Ausrichtung, sondern möchte auch teilweise anders arbeiten als ihr großer Bruder. Eine Gruppe von Journalisten, Juristen und Umweltschützern um den australischen Dokumentarfilmer Scott Millwood möchte sich mit GreenLeaks auf die Veröffentlichung von Missständen aus den Bereichen Umwelt und Klima sowie Verbraucherschutz konzentrieren. Als wichtig erachtet werden ausdrücklich nicht nur Themen von internationaler Brisanz wie illegale Handlungen beim Emissionshandel oder Umweltsünden von Großkonzernen, auch Übles auf lokaler Ebene soll ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden.

Die GreenLeaks-Betreiber verstehen sich im Unterschied zu Wikileaks mehr als Partner von Unternehmen und Regierungen denn als ihre Ankläger. Je früher Missstände an die Öffentlichkeit kämen, desto eher könnten Maßnahmen ergriffen werden, um Umwelt und Klima zu schützen, heißt es auf der Website. Zeitnahe öffentliche Aufmerksamkeit für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hätte dazu beitragen können, massive Umweltverschmutzung und hohe Kosten zu vermeiden. Damit den veröffentlichten Informationen auch Taten folgen, will die GreenLeaks-Gruppe ihre "Fälle" begleiten, bis die Verantwortlichen handeln.

Tippgeber, sogenannte "Whistleblower", von denen Plattformen wie Wikileaks oder GreenLeaks ihre Informationen beziehen, werden noch immer oft als Nestbeschmutzer oder Verräter gebrandmarkt - auch in Deutschland, wie das Greenpeace Magazin berichtete. Damit ganz normale Arbeitnehmer, die meist den Stoff für die großen Skandale liefern, geschützt werden, erstellt auch GreenLeaks derzeit einen sicheren elektronischen Postkasten (Dropbox), mit dessen Hilfe anonym Dokumente an die Plattform übermittelt werden können. Bis es so weit ist, mögen Informanten ihr Material, ganz altmodisch, im Briefumschlag an ein Postfach senden.

Stand: 26.01.2011