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Bio-Obst und Gemüse:
Datenbank sorgt für noch mehr Sicherheit
Berlin. Sind Bio-Orangen tatsächlich ungespritzt? Häufen sich in Trauben die Rückstände? Fragen wie diese beantwortet seit sieben Jahren das vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel organisierte Obst- und Gemüse-Monitoring. Eine neue Datenbank ermöglicht nun eine schnellere und vielseitigere Auswertung der bisherigen und der aktuellen Analysen. Dadurch verbessert sich nicht nur die Qualitätssicherung der teilnehmenden Unternehmen, sondern der gesamten Bio-Branche. Denn auch Kontrollstellen und Analyselabore können die Daten auswerten und für ihre Arbeit nutzen.

Das BNN-Monitoring ist ein unternehmensübergreifendes Qualitätssicherungssystem der Naturkost-Exporteure, Importeure und Großhändler. Daran nehmen derzeit 28 Unternehmen teil, die insbesondere den Bio-Fachhandel mit frischem Obst, Gemüse und Kräutern versorgen. Sie ziehen gemeinsam und risikoorientiert ihre Proben und stellen die Ergebnisse allen Teilnehmern in nicht anonymisierter Form zur Verfügung. Dadurch können die Firmen nicht nur Trends bei der Rückstandsbelastung feststellen, sondern auch Lieferanten bewerten und schwarze Schafe unter ihnen erkennen. "Ein solches System zum Austausch von nicht anonymisierten Rückstandsdaten ist nicht nur im deutschen Handel, sondern weltweit einmalig", sagt Katrin Rösner, die das Monitoring koordiniert. Für Kontrollstellen und Labore sind die Unterlagen anonymisiert.

Im Fall eines Rückstandsfundes wird intensiv nach den Ursachen der Belastung gesucht. Dadurch werden Ursachen im Produktionsablauf beseitigt. Rückstandsfunde nahmen seit 2003 merklich ab. "Offensichtlicher Betrug, bei dem konventionelle Ware zum Bio-Erzeugnis umdeklariert wurde, kommt nur ganz selten vor", berichtet Katrin Rösner. Zudem entfalte die rege Analysetätigkeit eine abschreckende Wirkung.

3000 Analyseergebnisse sind im Rahmen des Monitorings bisher angefallen. Die beteiligten Unternehmen haben zudem eigene Messungen eingestellt. Zwar konnten die Daten schon bisher in beschränktem Umfang genutzt werden. "Die neue Datenbank erlaubt eine schnellere und weitergehende Auswertung", berichtet Katrin Rösner. "Die Teilnehmer können eigene Analysen mit einem Klick ins System hochladen und allen zur Verfügung stellen. Bei Rückstandsfällen sind alle Berichte und Stellungnahmen einsehbar." Solche Fälle sind in den letzten Jahren noch seltener geworden. 2010 waren 96 Prozent der bis Ende September ausgewerteten 347 Proben nicht zu beanstanden. 9 Proben überschritten den selbst gesetzten Wert der Naturkostbranche, der BNN-Orientierungswert für Pestizide, von 0,01 mg/kg deutlich. Lediglich zwei Proben enthielten mehr Rückstände als die EU-Höchstmengenverordnung erlaubt und wurden sofort aus dem Verkehr gezogen.

Was die Trauben angeht: 35 Proben hat Katrin Rösner von den Großhändlern ins Labor schicken lassen. Nur zwei davon musste sie beanstanden, weil die Ergebnisse über dem BNN-Orientierungswert lagen. In einem der beiden Fälle war die Belastung mit vier verschiedenen Rückständen sehr auffällig. Die Nachforschungen ergaben, dass der Erzeuger, eine italienische Kooperative, eine Charge konventioneller Trauben falsch etikettiert hatte. "Es war mit sehr großer Wahrscheinlichkeit keine Absicht, sondern ein Missgeschick", berichtet Katrin Rösner. "Die Kooperative weiß, dass sie jetzt unter verschärfter Beobachtung steht und hat für Ihre Qualitätssicherung bereits Konsequenzen gezogen." Orangen lässt die Monitoring-Koordinatorin im Dezember untersuchen. Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr waren positiv, abgesehen von wenigen Lieferungen aus Spanien. "Zitrusfrüchte aus diesem Land werden wir in diesem Jahr verstärkt beproben", kündigt Katrin Rösner an. "Risikoorientierte Probenahme" nennt sie das.