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Wasserkraftanlage an der "Döhrener Wolle"

Seit Jahrzehnten wird mit der Wasserkraft im so genannten Turbinenkanal an der Döhrener Leineinsel kein elektrischer Strom mehr erzeugt. Mit einem neuen Vorstoß soll die brach liegende Ressource der vorhandenen Wehranlagen nun genutzt werden.

Anläufe der vergangenen Jahre scheiterten entweder daran, dass Wasserkraftwerke geplant waren, für die der Wasserstand der Leine im Winter um einen halben Meter erhöht werden sollte oder die geräuschintensiv direkt vor den Wohnhäusern betrieben worden wären. Die Befürchtungen der Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer oberhalb der Wehre sowie der Anwohnerinnen und Anwohner führten dazu, diese Pläne fallen zu lassen.

Der nunmehr vorliegende Plan stammt von der AUF Eberlein & Co. GmbH aus Adelshofen in Franken. Die Gesellschaft mit ihrem Geschäftsführer Fritz Eberlein betreibt acht Kleinwasserkraftanlagen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Die AUF Eberlein plant eine Anlage unterhalb des Brückenhauses im Turbinenkanal. Die Turbinen des geplanten Kraftwerks werden zum großen Teil unter Wasser liegen, so dass kaum zusätzliche Geräusche entstehen. Westlich neben dem neuen Kraftwerk wird das Wasser, das nicht durch die beiden Turbinen läuft, über ein schmales Wehr fallen, so wie es bisher am Brückenhaus geschieht. Am östlichen Ufer des Turbinenkanals wird eine Fischtreppe entstehen, über die Fische in den Oberlauf aufsteigen können. Über die Fischtreppe führt eine Brücke zur Plattform auf der Turbinenanlage, von der aus Spaziergängerinnen und Spaziergänger "mitten im Fluss" stehend einen guten Überblick haben werden.

An der Höhe des Wasserstandes der letzten Jahre wird sich durch die nun geplante Anlage nichts ändern. Das oberhalb des Brückenhauses liegende Wehr soll eine Regelung erhalten. Es wird ständig überströmt, um den für das Leben im Leinebogen wichtigen Mindestwasserstand einzuhalten.

Die Investitionssumme beträgt 3,3 Millionen Euro. Zwei Turbinen mit einer Gesamtleistung von 500 Kilowatt sollen pro Jahr ca. 3.000 Megawattstunden (MWh) Strom erzeugen, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Das entspräche dem Strombedarf von zirka 1.000 Haushalten und würde damit jährlich 2.800 Tonnen Kohlendioxid (CO2) vermeiden.

Wenn die Ratsgremien dem Vorhaben zustimmen, wird AUF Eberlein bei der Region Hannover eine Planfeststellung des Projekts beantragen. In dem folgenden Verfahren werden alle Beteiligten, vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner, Gelegenheit bekommen, sich über die Details der Planung zu informieren und sich zu äußern.

Innerhalb Hannovers soll das geplante Kraftwerk gleichzeitig einen Ausgleich für die Klimaschutzsiedlung "In der Rehre" in Wettbergen bewirken. Der nahezu CO2-frei hergestellte Strom aus Döhren erspart gegenüber konventionell erzeugter Elektrizität mehr als genug Kohlendioxid-Emissionen, um die wenige Energie, die in der Passivhaussiedlung noch an Wärme und Haushaltsstrom benötigt wird, zu kompensieren. Damit wird dem Ratsbeschluss von 2002, eine CO2-freie Siedlung zu bauen, Rechnung getragen.

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