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SEIDE

Die schönste und wertvollste Seide wird aus den Kokons des Seidenspinners gewonnen. Seine Raupen ernähren sich ausschließlich von Maulbeerbaumblättern. Diese Art ist vor allem in Asien beheimatet. In anderen Regionen spielen auch andere Seidenraupenrassen eine wirtschaftliche Rolle.

Die Aufzucht und Pflege ist bei allen Rassen ähnlich, einzige Ausnahme sind die wildlebenden Tussa-Spinner. Im Frühjahr entwickelt sich innerhalb von sieben bis acht Wochen aus einem Ei eine Raupe und danach der fertige Falter. Einige Arten können sich im Frühherbst, 14 Tage nach der Eiablage, ein weiteres Mal fortpflanzen.

Die Falter sind nicht flugfähig und seine Raupen reagieren sehr empfindlich auf Zugluft, Gerüche und Lärm. Ferner sind sie anfällig für Krankheiten. Aufzucht und Pflege finden im Haus auf flachen Kästen statt. Diese sind in Gestellen untergebracht. Die hygienischen Maßnahmen und die Fütterung und Pflege erfordern ständige und sorgfältige Handarbeit.

Im Frühjahr (oder Frühherbst) schlüpfen aus den Eiern des Seidenspinners etwa drei Millimeter kleine schwarze behaarte Larven, die nach drei Tagen weiß werden. Während der ersten vier Tage benötigen sie frisch gepflückte fein geschnittene Blätter des weißen Maulbeerbaumes. Jeweils am fünften, zehnten, sechzehnten und fünfundzwanzigsten Tag häuten sich die Raupen. An diesen Tagen benötigen sie absolute Ruhe und dürfen nicht gestört werden.

An den anderen Tagen fressen sie, zuerst fein geschnitten, später groberes Laub bis hin zu ganzen Blättern und kleinen Zweigen. Während dieser Zeit müssen die Raupen alle zwei bis drei Tage umgebettet werden, damit die Aufzuchtkästen sauber gehalten werden können. Kleine und kranke Tiere werden aussortiert.

Während eines Monats frisst eine Raupe zwei bis vier Kilogramm Laub, etwa das achttausendfache ihres ursprünglichen Körpergewichtes. Danach ist sie neun bis zehn Zentimeter lang und beginnt sich einzuspinnen. Dazu werden besondere Spinnrahmen auf die Kästen aufgesetzt, in denen die Raupen einen dunklen und ruhigen Platz suchen. Diese ähneln Setzkästen, in denen jede Raupe einen eigenen Platz hat.

Während der nächsten fünf Tage spinnt sich die Raupe ein. Zuerst werden etliche Stützfäden gesponnen, die Flockseide, die den fertigen Kokon halten. Damit fertig, beginnt die Raupe mit achtförmigen Bewegungen den eigentlichen Kokon zu spinnen. Sie produziert jetzt einen Faden von 1500 bis 2000 Metern Länge, der von einem speziellen Leim, dem Seidenbast, umgeben ist und die Fäden miteinander verklebt. In den folgenden achtzehn Tagen findet die Umwandlung von der Puppe zum Falter statt.

Sind die Falter geschlüpft, begeben sie sich sofort auf Partnersuche. Ist dieser gefunden, findet die mehrere Stunden dauernde Paarung statt, nach der das Männchen stirbt. Die Weibchen suchen sich einen Platz zur Eiablage, danach sterben auch sie. Die 200 bis 800 Eier brauchen jetzt eine Ruhepause, die normalerweise bis zum nächsten Frühjahr dauert. Bei mehrbrütigen Rassen wächst im Herbst eine neue Generation heran.

Die Zuchteier werden heute in Kühlschränken bei einer Temperatur von drei Grad Celsius aufbewahrt. Während dieser Zeit muss für eine gute Belüftung der Eier gesorgt werden. Drei Wochen vor dem vorgesehenen Schlüpfen werden die Eier langsam an höhere Temperaturen gewöhnt, bevor der Kreislauf von neuem beginnt.

Die Entstehung des Stoffes

Die Kokons des Seidenspinners bestehen aus einem Fibroinfaden, den die Raupe vor Ihrer Verpuppung spinnt. Dieser Eiweißfaden hat einen fast dreieckigen Querschnitt.

Um einen langen Faden erhalten zu können, darf der Schmetterling nicht schlüpfen, da er dabei den Kokon durchbeißt um ein Loch zu erzeugen. Aus diesen Kokons lassen sich dann nur noch kurze Fäden von minderwertigerer Qualität gewinnen.

Zehn Tage nachdem die Raupe sich verpuppt hat, wird der Kokon weiterverarbeitet. Mit kochendem Wasser oder heißem Dampf werden die Puppen getötet, in einem heißen Seifenwasserbad wird der Klebstoff ( Seidenbast ) gelöst, der die Fäden zusammenhält. Nach dem Trocknen kann die Seide gewonnen werden.

Die äußeren Fäden des Kokons sind kurz und werden ausgezupft. Aus ihnen wird Florett- oder Schappeseide hergestellt. Der innere Faden des Kokons wird abgehaspelt und auf einem Haspelrad aufgespult. Dieser Endlosfaden hat eine Länge von 1200 bis 1500 Metern. Die Reste des Kokons werden zu Bouretteseide weiterverarbeitet.

Organic Silk

Je besser die Ernährung der Raupen ist, desto besser ist die Qualität der von ihnen erzeugten Seide. So geschieht es bei Maulbeerblättern aus biologisch- dynamischem Landbau.

Da für die gefräßigen Raupen große Mengen Blätter benötigt werden, müssen entsprechende Mengen Maulbeerbäume angebaut werden. Um eine solch große Anbaufläche in einem biologischen Gleichgewicht zu erhalten, muss sie als Mischkultur angelegt werden. Die Maulbeerebäume werden als Sträucher gezogen, um sie besser abernten zu können. Dazwischen finden sich Obst- und Laubbäume, die als Nistplätze für Vögel und zur Beschattung dienen. Auf Insekten- und Pflanzengifte wird verzichtet.

Ferner werden dadurch die Umweltbedingungen verbessert. Der hohe Bedarf an Handarbeit, sowohl beim Landbau wie auch bei der Aufzucht und Pflege, bietet vielen Menschen stabile Arbeitsverhältnisse. Die hohe Futterqualität führt so direkt zu einer besseren Seidenqualität. Die Kokons sind größer, die Seide ist elastischer und besitzt einen gleichmäßigeren Faden bei höherem Glanz.

Beim Färben wird weniger Farbe benötigt, die Farbverteilung ist gleichmäßiger. Organic-Seide kommt allen zu Gute: den Raupen, den Bauern, dem weiterverarbeitendn Gewerbe, der Umwelt und den Kunden!