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LEINEN

Seit 1987 wird diese alte Kulturpflanze wieder in Deutschland angebaut. Wegen seiner guten Hautverträglichkeit und der hervorragenden Feuchtigkeitsregulierung erfreut sich der Lein immer größerer Beliebtheit. Außerdem ist Leinen ein sehr haltbares Material und im Vergleich zu Baumwolle doppelt so reißfest. Die Flachsfaser wird neben der Textilverarbeitung auch in weitern Bereichen eingesetzt. So ist es gelungen, sie feuerfest zu machen. Auf diese Weise wurde ein Asbestersatzstoff aus Naturfaser geschaffen. Dieser findet z. B. Anwendung bei Polstermaterialien in Autos und Flugzeugen, bei Zementfaserplatten und in Bremsbelägen.

Der Leinsamen wird wegen seines hohen Anteils an lebensnotwendiger Linolsäure immer mehr geschätzt. Ein weiterer Vorteil der Flachspflanze ist ihre Unverträglichkeit gegenüber Stickstoffdüngung, dadurch schießt sie zu schnell in die Höhe, knickt um und wird unbrauchbar. So entsteht ebenfalls kein Stickstoffeintrag in das Grundwasser. Des Weiteren wird im ökologischen Anbau auf den Einsatz chemischer Unkrautvernichter verzichtet, es wird manuell gejätet. Dies ist allerdings sehr zeitaufwendig.

Leider ist es nicht ganz einfach für den ökologischen Anbau, chemisch ungebeiztes Saatgut zu bekommen. Bei der kultivierten Leinpflanze "Linum usitatissimum" handelt es sich umeine einjährige Faserpflanze. Die blauen Blüten bereichern heute wieder die Schwäbische Alb. Von Mitte März bis Mitte April wird der Flachs ausgesät, was heute mit Hilfe einer Sämaschine, die die Saat im engen Abstand ausbringt, geschieht. Von der Saat bis zur Ernte vergehen 100 Tage. Anfang Juli beginnt der Flachs jeweils nur für ein paar Stunden weiß oder blau zu blühen.

Die reife Pflanze erreicht eine Höhe von 80 bis 120 cm. Der Lein wird nicht gemäht, sonder gerauft, ausgerupft, damit die ganze Faserlänge des Stängels erhalten bleibt. Heute werden für diese Arbeit spezielle Raufmaschinen eingesetzt. Der nächste, sehr wichtige Vorgang in der Flachsverarbeitung ist das Rösten. Hierzu wird der Lein in dünnen Schichten auf dem Feld ausgebreitet und Tau und Regen im Wechsel mit der Sonne sorgen dafür, dass ein Milieu geschaffen wird, in dem Bakterien und Pilze den Pflanzenleim auflösen können.

Hierbei muss der Flachs rechtzeitig gewendet werden, damit auf der Unterseite kein Fäulnisprozess einsetzt. Je nach Witterung dauert diese Feld- bzw. Tauröste drei bis sieben Wochen. Nur wenn es sehr viel regnet, besteht die Gefahr durch Fäulnis die gesamte Ernte zu verlieren. Nach dem Rösten sind die Fasern um den Holzkern gelockert und können jetzt durch Biegen und Brechen herausgetrennt werden. Heute geschieht dies mit Hilfe von mechanisch arbeitenden Maschinen. Dies geschieht folgendermaßen: Die in Stücke zerbrochenen Flachsstängel werden in ein Gerät gelegt, dessen hölzerne Rippen klappenartig ineinander passen.

Beim wiederholten Zusammenklappen werden die Holzstängel im Innern der Flachspflanze gebrochen. Nun wird der Flachs auf einen Schwingstock gelegt, um die gebrochenen Holzteile, die Schäben, aus der Fasermasse zu entfernen. Mit einem hölzernen Messer wird wiederholt an der herabhängenden Fasermasse entlang geschlagen, bis das letzte Holzstückchen herausgeflogen ist. Heute gibt es auch Schwingturbinen, die diese Arbeitsgänge ausführen. Nun werden die Faserbündel durch eine feine Nadelbürste gezogen, durchgehechelt, um die Fasern in Längsrichtung zu sortieren und weiter zu verfeinern. Nun endlich kann mit der Verarbeitung des Flachses zu feinem Leinengarn begonnen werden.

Im konventionellen Anbau greift ein "Qualitätsmanagement" in den Wachstumsprozess ein. So wird hier chemisch gebeiztes Saatgut verwendet. Ferner kommen Herbizide und Pestizide zum Einsatz, die in den Pflanzen Rückstände hinterlassen. Zur Aufzucht wird Stickstoffdünger verwendet, den die Pflanze eigentlich nicht verträgt, um nicht zu schnell zu wachsen werden zusätzlich Wachstumshemmer aufgebracht.