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Niedersachsen doppeltes Schlusslicht im Biolandbau?
Umwelt- und Bioverbände fordern von Minister Ehlen deutliche Korrekturen bei Programmplanung für den ländlichen Raum

Hannover/Visselhövede. Die Planungen für die Umsetzung der EU- Agrarreform gehen in Niedersachsen in die Schlussphase. Die von der Landesregierung vorgelegten Vorschläge für Änderungen in der Agrarförderung (PROFIL-Programm) stoßen bei den Umwelt- und Bioverbänden in Niedersachsen auf scharfe Kritik. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich Bioland, BUND, NABU und Niedersächsischer Heimatbund an die Politik gewendet und deutliche Nachbesserungen gefordert."Das PROFIL-Programm verliert weiter an Profil. Wichtige Chancen für die Landwirtschaft, den ländlichen Raum und die Umwelt in Niedersachsen werden vertan. Statt sich den neuen Herausforderungen zu stellen, nämlich besseren Beiträgen zum Klima- und Grundwasserschutz, gibt das Programm Impulse für einen weiteren Strukturwandel und die Intensivierung in der Landwirtschaft" stellt Stefan Ott vom BUND Landesverband Niedersachsen fest.

In Niedersachsen stehen für die Umschichtungen in der Agrarförderung im Zeitraum 2009 bis 2013 ca. 160 Mio. Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen nach Vorgaben der EU eingesetzt werden, um den so genannten "ökologischen Herausforderungen" zum Schutz des Klimas, der Wasserressourcen sowie der Biodiversität gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen die Milchviehbetriebe unterstützt werden, die unter den geringen Erzeugerpreisen leiden. Die Verbände erwarten daher erhebliche Nachbesserungen bei den Agrarumweltprogrammen. "Statt weiterer Förderung für nicht umweltgerechte Stall- und Wegebauten ist in zusätzliche wirkungsvolle Umweltleistungen zu investieren, z. B. durch Förderung des Leguminosenanbaus, durch Erhalt von artenreichem Grünland oder besonders durch Förderung des Biolandbaus." fordert Uwe Baumert vom NABU Landesverband Niedersachsen.

Während die meisten Bundesländer die Prämien für die Umweltleistungen des Biolandbaus bereits 2009 erhöht haben, plant Niedersachsen auch ab 2010 keine Erhöhung beim wichtigsten Agrarumweltprogramm. "Niedersachsen trägt mit nur 2,3 % Flächenanteil im Biolandbau bundesweit bereits jetzt die Rote Laterne. Statt gegenzusteuern und die guten Entwicklungspotentiale im Biolandbau zu nutzen, droht Niedersachsen nun auch bei den Prämienhöhen zu den Schlusslichtern zu gehören." stellt Harald Gabriel, Geschäftsführer von Bioland Niedersachsen fest. "Werden die Programmplanungen nicht korrigiert, bedeutet dies Vorfahrt für die Intensivlandwirtschaft und einen schweren Rückschlag für den Biolandbau in Niedersachsen."
Der Rückschritt in der Bioförderung in Vergleich zu anderen Ländern stößt auf besonderes Unverständnis, da Niedersachsen deutlich mehr zusätzliche Mittel von der EU erhält, als alle anderen Bundesländer.