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Tagungsbericht : "Frauen stärken. Klima wandeln!"

Der VEN, Verein für Entwicklungspolitik Niedersachsen, lud am 03.09.08 von 10.00-14.00 Uhr zum Vortrag mit dem Thema "Frauen stärken. Klima wandeln!" im Umweltzentrum Hannover ein. Zu diesem Thema waren außer den Mitgliedern des VEN zwei Frauen zu Gast, Grace Mketto aus Tansania und Andrea Guzmán aus Bolivien.

Andrea Guzmán ist Politikwissenschaftlerin. Seit mehreren Jahren ist sie für die Organisation CENPROTAC im Bereich der Bildungsarbeit tätig. CENPROTAC ist eine gemeinnützige bolivianische Organisation, welche die soziale und solidarische Entwicklung der benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Bolivien fördert. Aktuell arbeitet sie an dem Projekt "Frauen stärken. Klima wandeln!" für den VEN, wo sie die Rolle der regionalen Koordinatorin übernimmt.
Grace Mketto arbeitet ebenfalls aktiv für den Klimaschutz, denn seit 2002 ist sie bei der INADES Formation Tanzania , einer pan-afrikanischen Nichtregierungsorganisation tätig. Dort ist sie für Koordination und Umsetzung von Projekten zur Förderung von Frauen und Gleichberechtigung sowie von HIV/AIDS zuständig. Wie auch Andrea Guzmán ist Grace regionale Koordinatorin für das VEN Projekt "Frauen stärken. Klima wandeln!" und arbeitet mit Kleinbäuerinnen der Region Dodoma zusammen.

Die beiden Frauen stellten ihre jeweiligen Herkunftsländer vor. Dabei legten sie den Schwerpunkt besonders auf die Folgen des Klimawandels, welche sie mit aktuellen Beispielen unterlegten. Grace Mketto veranschaulichte das Abschmelzen der Schneekuppen des Kilimandscharo mit Bildern des Bergmassivs von vor 30 Jahren und heute. Sie prognostiziert, dass der Schnee auf den Kuppen in spätestens 50 Jahren vollständig verschwunden sein wird.

Die Gastrednerinnen berichteten von der besonderen Situation der Frauen in den so genannten Entwicklungsländern Bolivien und Tansania. Die klimatischen Veränderungen machen sich besonders im Verantwortungsbereich der Frauen bemerkbar. Sie kümmern sich sowohl um die Kindererziehung und Ernährung als auch um die Gesundheitssicherung und die Wasser- und Energieversorgung der Familie. Schlechte Ernten aufgrund von Dürren und Überschwemmungen führen zu mangelhafter Nahrungsmittelversorgung und zu steigenden Preisen. So muss mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben werden. Dies wiederum bedeutet, dass weniger Geld der medizinischen Versorgung und Schulbildung zu Gute kommt. Auch das Austrocknen der Wasserstellen ist ein Problem, da Frauen dadurch immer längere Wege zurücklegen müssen, um an das kostbare Gut zu gelangen. Dadurch bleibt ihnen weniger Zeit an politschen Prozessen teilzunehmen oder sich weiter zu bilden.

Andrea Guzmán erklärte: "Ein Großteil des weiblichen Geschlechts gehört zu den Menschen, die sozial und auch wirtschaftlich benachteiligt sind. Sie machen 70% der gesamten Bevölkerung aus, die unterhalb der Armutsgrenze lebt. Aufgrund ihrer Mittellosigkeit sind sie anfällig und schutzlos gegenüber dem Teufelskreis der Armut und fallen ihm so schnell zum Opfer. Sie leben in einer Gesellschaft, in der ihnen wenig Wert oder Entscheidungsgewalt zuteil wird. Faktisch tragen sie in ihrer Familie die Verantwortung, denn sie sorgen für das Einkommen. Die Verwaltung und Einteilung des Haushaltsbudgets ist jedoch Aufgabe des Ehemanns. In diesem Falle ist ihre Meinung unwichtig. Auch die Schulbildung der Mädchen ist in den Entwicklungsländern eher zweitrangig. Da Mädchen ohnehin früh verheiratet werden und eine Familie gründen sollen, ist für sie eine gute schulische Ausbildung nicht vorgesehen."

Insgesamt hat mich die enge Zusammenarbeit und der rege Austausch zwischen dem VEN und den Betroffenen vor Ort sehr beeindruckt. Durch ihren Einsatz ist das Ziel, den Betroffenen politische und persönliche Handlungsmöglichkeiten zu schaffen, ein großes Stück näher gerückt.

von Laura Knobloch

Mehr Infos zur Kampagne:

www.die-klima-allianz.de/wp-content/uploads/petition-der-klimazeugen_fin.pdf