Hintergrundinfo

"Milchgipfel" in Berlin:
Stabile Preise für Bio-Milch fördern nachhaltiges Wachstum

Im Ziel sind sich alle einig: Erhaltung der heimischen Milchwirtschaft und höhere Erzeugerpreise. Doch Landwirtschaftsminister Horst Seehofer weiß, dass Preisverhandlungen Sache der Wirtschaft sind. Deshalb ging es beim heutigen "Milchgipfel" in Berlin um EU-Hilfen für Bauern in benachteiligten Regionen und darum, wie in der EU eine Erhöhung der Milchmengen verhindert werden kann.

Vertreter der Wertschöpfungskette für Bio-Milch im Naturkost-Fachhandel hatten sich auf Einladung des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. bereits Anfang Juli 2008 in Kassel getroffen. Das gemeinsame Ziel, die

Foto: www.oekolandbau.de ©BLE
Bio-Landwirtschaft in Deutschland dauerhaft zu sichern und auszubauen, erfordert stabile und nachvollziehbare Milchpreise bei den Molkereien und im Einzelhandel.

Dabei stuften die Vertreter der Biolandwirte den aktuellen Abnahmepreis von 50 Cent pro Liter Bio-Milch als fair ein. Die Vertreter der sieben wichtigsten Molkereien im Bio-Milchmarkt bezeichneten stabile Preise als wichtigste Bedingung für ein nachhaltiges Wachstum.

"Bio-Milch wird wie andere Bio-Produkte nicht gekauft, weil sie besonders billig ist, sondern wegen der hohen Qualität", so Hermann Heldberg, Vorstandsvorsitzender des BNN Herstellung und Handel. Im Wettbewerb auf dem Biomarkt seien somit nicht kleine Preise, sondern große Pluspunkte für Gesundheit und Umweltschutz die schlagenden Argumente. Bio-Milch enthält nachweislich mehr Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und Karotin als konventionelle. Positiv beeinflusst wird Bio-Milch auch durch den Verzicht auf Kunstdünger in der Grünland- Bewirtschaftung und das qualitativ hochwertige Futter. Die biologische Milchviehhaltung trägt wesentlich zum Erhalt von Kulturlandschaften und ländlichen Strukturen bei. "Lockvogelangebote passen nicht zu einem wertvollen Lebensmittel wie Bio-Milch", so Heldberg. Wenn ein Handelsunternehmen den Preis für die Bio-Milch senken möchte, dürfe das nicht auf Kosten der Milcherzeuger geschehen.

Der konventionelle Lebensmittel-Einzelhandel und die großen Molkereien haben in den letzten Jahren immer wieder auf Kosten der Bauern an der Preisschraube gedreht. Auch bei anderen Lebensmitteln ist Preisdumping heute Alltag. Der BNN Herstellung und Handel und seine Mitgliedsunternehmen setzen sich für den ökonomischen Erfolg der Naturkostbranche auf der Grundlage ökologisch und sozial verantwortlichen Handelns ein. Dafür wird derzeit an einem Kodex für Naturkostbranche gearbeitet, der im Herbst verabschiedet werden soll.