Hintergrundinfo

Baumwolle ohne Gift
In Afrika steigen Bauern auf Fairtrade-Bio-Anbau um

Der Weg zu den Biobaumwolle-Feldern ist weit und staubig. Wer die Anbaugemeinschaft »Yanduanma«im afrikanischen Burkina Faso besuchen will, muss abseits der großen Straßen über Holperpisten, Äcker und Trampelpfade das Dorf Komadougou aufsuchen. Das kleine Dorf hat keinen Strom und auch kein fließend Wasser. Über 100 Bauern haben sich hier zusammengetan, um Bio-Baumwolle ohne Pestizide anzubauen. Zusammen bebauen sie rund 100 Hektar Land.

Justine Ouedrago ist eine der 19 Frauen, die der Anbaugemeinschaft angehören. Die Mutter von vier Kindern hat vor ein paar Jahren mit dem Anbau von Bio-Baumwolle begonnen. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen hat sie sich dazu entschlossen. »Ich wollte nicht mehr mit Pestiziden in Berührung kommen. Und außerdem kann ich so mehr Geld für meine Familie verdienen«,sagt Justine.

Mit dem Mehrerlös, den sie durch den Fairtrade-Mindestpreis und den Aufschlag für die Bio-Qualität erhält, kauft sie Kleidung und Schulhefte für die Kinder. »Ich möchte mirvon dem Geld einen Webstuhl kaufen«, plant sie. So könnte sie ihre Baumwolle zu Stoffen verarbeiten und diese dann in der Stadt verkaufen.

Handarbeit
Der Bäuerin Yonli Malata geht es ähnlich. »Ich bin sehr froh, dass ich nie wieder konventionelle Baumwolle anbauen muss«, sagt sie.












Bio-Bauerin Yonli Malata

Bio-Baumwolle ohne Schädlingsbekämpfungsmittel sei besser für die Gesundheit - für sie und für ihre Familie. Außerdem hat die Bio-Anbaugemeinschaft es ermöglicht, dass die Frauen wie Yonli und Justine ihr eigenes Einkommen erwirtschaften und auf eigenen Füßen zu stehen. Yonli Malata ist stolz auf ihr eigenes Einkommen und wenn sie erzählt, wofür sie den Mehrerlös verwendet, dann macht sie dies mit einem breiten Lächeln: "Mit dem Geld, was ich durch den Bio-Anbau dazuverdiene, kaufen ich Teller und Töpfe,damit ich meiner Familie ein gutes Essen kochen kann. Außerdem kaufe ich auch Schulhefte für meine Kinder."

Das Leben als Bauer in Burkina Faso ist sehr hart. Es mangelt an Ausrüstung und Transportmitteln für die Ernte. Das Beackern des Feldes erfolgt in mühsamer Handarbeit. In manchen Jahren macht das Wetter die Arbeit zunichte,vor allem wenn der Regen ausbleibt. »Die Ernte ist gerade halb so groß wie letztes Jahr«, sagt Justine Ouedrago. Trotzdem blicken die Bauern der Bio-Anbaugemeinschaft optimistischer in die Zukunft als ihre Nachbarn, die immer noch auf den konventionellen Baumwollanbau mit viel Dünger und Pestiziden setzen. Manche der konventionellen Bauern können ihre Felder gar nicht mehr bewirtschaften, weil der Marktpreis die Produktionskosten nicht deckt.


Der faire Handel mit Bio-Baumwolle bietet eine bessere Perspektive:

Durch Fairtrade bekommen alle Mitglieder der Gemeinschaft Yanduanma einen festen Mindestpreis für ihre Baumwolle. Er liegt bei etwa 41 Cent für ein Kilo Bio-Baumwolle. Für konventionelle Baumwolle würden sie von den üblichen Zwischenhändlern nur einen Marktpreis von 22 Cent erhalten. Zusätzlich zu Festpreis von 41 Cent pro Kilo Bio- Baumwolle bekommen die Bio-Bauern eine Fairtrade-Prämie von 5 Cent pro Kilo. Damit werden Sozialprojekte finanziert, die die Lebensbedingungen der Baumwollbauern verbessern. Die Bauern entscheiden gemeinsam, wofür die Prämie eingesetzt wird. Zwei Mal im Jahr findet eine Generalversammlung gemeinsam mit den umliegenden Dörfern statt. Per Handzeichen wird dann entschieden, welches Projekt zuerst umgesetzt werden soll. Justines Gruppe hatte sich für den Bau einer Kantine in der Dorfschule eingesetzt.Dort können die Kinder jetzt mittags essen.

Als zweites Projekt wurde die Reparatur der Wasserpumpe finanziert. Trinkwasser stellt ein großes Problem dar. Die Frauen und Kinder verbringen viel Zeit damit, sauberes Wasser in gelben Kanistern auf dem Kopf oder in einem kleinen Karren zum Dorf zu transportieren. Als die Pumpe vor einem halben Jahr ausfiel, mussten sie einen weiten Weg bis zu einer anderen Wasserstelle zurücklegen. Dank Fairtrade konnte die Pumpe neben dem Dorf schnell repariert werden. Die Versorgung mit Trinkwasser ist nun weniger beschwerlich.

Wie alle Bauern hat auch Justine ihren ganz persönlich Wunsch für die Zukunft: »Ich hoffe, dass ich weiterhin einen guten Preis für meine Baumwolle bekomme. Dann kann ich es meinen Kindern ermöglichen, länger die Schule zu besuchen. Sie sollen später einmal eine gute Arbeit finden.«