Mangold und Pastinake
Alte Gemüsesorten neu entdeckt
Die prächtigen historischen Abbildungen vergessener Gemüsesorten auf dem Buchumschlag wecken die Neugier der Leserin: Was verbirgt sich hinter diesem Titel? Pflanzenporträts? Ein Kochbuch?

Die Autorinnen, Elke Achtner-Theiss und Sabine Kümm, begeben sich zunächst auf eine interessante Reise durch die Geschichte des Anbaus und der Verwendung der zunächst als Unkraut verrufenen Pflanzen. So beschreiben sie das Essverhalten unserer Vorfahren, deren Speiseplan aus reichlich Fleisch und viel Getreide bestand. Die alten Gemüsesorten wurden weniger als Lebensmittel, sondern eher als Vorspeise vor allem aber als Medizin und Wundermittel betrachtet. Eindrücklich schildern die Verfasserinnen wie die veränderten Anbautechniken des 19. Jahrhunderts das Verschwinden alter Gemüsesorten, wie Mangold oder Pastinake, zeitigten. Denn die moderne Landwirtschaft ermöglichte den In- und Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in einem nie zuvor bekannten Ausmaß und führte so zu unserem heutigen globalen Ess-Verhalten.

Anschließend werden jeweils auf einer Seite Text mit dazugehöriger Abbildung 40 Gemüsesorten vorgestellt. Viele Leser werden sich wundern, dass bekannte "Unkräuter" im Rasen wie das Gänseblümchen, der Sauerampfer oder der Löwenzahn als Kulturgemüse aufgeführt werden. Vielleicht führt es dazu, dass diese Pflanzen wieder eine neue Wertschätzung erfahren. Geschichtliche Besonderheiten kommen ebenso nicht zu kurz wie die Darstellung der Verwendung in Küche und Medizin. Das Buch bietet zudem praktische Hinweise zum Anbau und den notwendigen Standortverhältnissen in einer leicht verständlichen Sprache. Die Bedeutung für Tierarten wie der Hinweis auf "Ameisenpralinen" führt unweigerlich zum Schmunzeln. Ein überlebenswichtiger Aspekt zur Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen wie z.B. der Bärlauch mit den Maiglöcken wird aufgegriffen.

Einige Wildpflanzen wie z.B. die Nachtkerze, der Bärlauch, die Brennessel, die Brunnenkresse, der Giersch, die Erdmandel, das Wintergrün und der Gute Heinrich werden als Gemüsesorten aufgeführt. Letztere stehen in Niedersachsen in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und sollten nicht am natürlichen Standort gesammelt werden. Hier wäre ein Hinweis auf den Naturschutz wünschenswert, da nicht auszuschließen ist, dass sie auch in der Natur gesammelt werden. Auch sollte ein Hinweis auf das vorsichtige Sammeln im Freien gegeben werden. Gärtner finden im Anhang Adressen von Saatgut-Initiativen.

Insgesamt macht das Werk mit seinem lockeren Stil neugierig, die alten traditionellen Gemüsesorten auszuprobieren. Für den Anbau im Garten sind für einige Pflanzen noch Zusatzinformationen notwendig. Ein ästhetisch schön gestaltetes Buch, welches auch zum Verschenken gut geeignet ist und den Preis von ca. 24,90 Euro rechtfertigt.

144 S.
zahlreiche farbige Abb.
gebunden mit SU
16,5 x 24 cm
2007
lieferbar
ISBN: 978-3-7995-3531-1
€ 24,90

Diplom Biologin Gisela Wicke

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