Hintergrundinfo

Aus Chaos- wird Zukunftshaus
Passivhausstandard im Bestand: Dr. Ulrich Stiebel und der Projektentwickler PassivHausKonzepte beweisen: Heizkosten von einem Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sind möglich!

Text: Christian Podlewski Foto: Stiebel Eltron

Kaum zu glauben. Dort, wo bei den sogenannten "Chaostagen" 1995 die Barrikaden brannten und gepanzerte Polizeiwagen mit Wasserwerfern gegen Punks, Demonstranten und Randalierer auffuhren, ist aus dem damals besetzten Haus eines der bemerkenswertesten Gebäude der hannoverschen Nordstadt geworden.

"Eine Arztpraxis ist im sanierten Haus bereits eingezogen und das ist ein gutes Signal", sagt Dr. Ulrich Stiebel. Als Bauherr des Mietgebäudes Schaufelder Straße 9 sieht er der Fertigstellung im Juli mit Spannung entgegen. "Wir haben alles getan, um hier einen besonderen energetischen Standard bei der Modernisierung im Althausbestand zu realisieren." Das Ergebnis sind fast unvorstellbar geringe Heizenergiekosten: Für Raumheizung zirka 0,12 Euro pro Quadratmeter und Monat, also bei einer 66 Quadratmeter großen Wohnung zirka 93,50 Euro pro Jahr.

Gleichzeitig steigt durch die energetische Optimierung der Wohnkomfort erheblich: Kühle Ecken, Schimmelpilz, Zugluft oder schlecht belüftete Zimmer sind ausgeschlossen. Vielmehr werden die Wohnungen immer angenehm warm im Winter und nicht zu heiß im Sommer sein.

Mit der neuen 22 Zentimeter dicken Fassadendämmung und der 36 Zentimeter starken Dachdämmung, den dreifach verglasten Wärmeschutzfenstern, der Wärmebrückenminimierung, der Luftdichtheit der Gebäudehülle sowie der Wärmerückgewinnung durch die Lüftungsanlagen und der regenerativen Wärmeerzeugung benötigt das Gebäude nach der Sanierung nur noch etwa zehn Prozent der bisherigen Kosten für Heizung und Warmwasser.

Die Heizenergiekosten dieses Hauses mit 34 Nutzungseinheiten werden in der gleichen Größenordnung liegen wie die eines Einfamilienhauses im Bestand. Die Altbausanierung hat somit Passivhausqualität erreicht.

Durch eine hoch effiziente Wärmerückgewinnung werden die energetischen Lüftungsverluste gegenüber einer Fensterlüftung deutlich. Gleichzeitig gewährleisten die mechanischen Lüftungsanlagen einen ausreichenden Mindestluftwechsel, der vom Lüftungsverhalten der Mieter unabhängig ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: Hervorragende Luftqualität, sicherer Feuchteschutz und extrem minimale Energiekosten.

Die Wärmeerzeugungsanlage besteht aus zwei getrennten Wärmepumpen, die aus einer gemeinsamen Brunnenanlage gespeist und für unterschiedliche Temperaturbereiche verwendet werden. Eine Wärmepumpe mit 13 Kilowatt Wärmeleistung ist den Niedertemperatur-Flächenheizungen, eine andere mit 22 Kilowatt den auf 55 bis 45 Grad ausgelegten Heizkörpern zugeordnet. Die Trinkwarmwassererwärmung erfolgt in einem zweistufigen Prozess mit beiden Wärmepumpen.

Wen wundert es bei dieser Erfolgsstory, dass jüngst am Stammsitz von Stiebel Eltron in Holzminden die mit einem Ausstoss von jährlich 40.000 Stück größte Wärmepumpenfabrik Mitteleuropas in Betrieb ging?


Weitere Infos unter: www.passivhauskonzepte.de, www.stiebel-eltron.de, www.passiv.de

aus: RegJo, Das RegionalJournal für Niedersachsen 1/2007, S. 69
www.regjo.de