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Kritik am Agrikulturprogramm der Stadt Hannover

Landwirtschaft im städtischen Bereich? Was zunächst verwunderlich anmutet, ist gar nicht so selten. Immerhin rund 14% der Stadtfläche Hannovers werden landwirtschaftlich genutzt, ein Drittel der Flächen befindet sich im Besitz der Stadt. Derzeit liegt dem Rat das neue Agrikulturprogramm zum Beschluss vor. Es befasst sich mit landwirtschaftlichen und gärtnerischen Flächen in der Stadt. Seitens der Umweltverbände gibt es Kritik am Entwurf.

Bereits 1994 hat der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün mit dem damaligen Landwirtschaftsprogramm Pläne aufgestellt, um landwirtschaftliche Flächen in der Stadt zu erhalten, die regionale Vermarktung der Erzeugnisse zu stärken und ökologische Bewirtschaftungsformen zu fördern. Das neue Agrikulturprogramm ist die zweite Fortschreibung dieses Vorhabens. Seine Handlungsfelder sind zudem Bestandteil des Programms "Mehr Natur in der Stadt" und für eine nachhaltige Stadtentwicklung im Sinne des Konzepts "Mein Hannover 2030" von großer Relevanz.

Die regionalen Abteilungen der Naturschutzverbände NABU und BUND begrüßen zwar grundlegend das Ziel des neuen Entwurfs, üben in einer gemeinsamen Presseerklärung aber auch Kritik. Seitdem in den späten neunziger Jahren 120 Hektar städtischen Ackerlandes zur Gründung des Kronsberghofs zur Verfügung gestellt wurden, gab es keine weiteren Verpachtungen an Ökolandbaubetriebe. Georg Wilhelm von BUND Region Hannover resümiert daher: "Dieses Ziel ist richtig, aber gerade auf ihren eigenen Flächen sollte die Stadt Hannover das auch endlich umsetzen."

Die Ackerflächen sollen dem Agrikulturprogramm nach auch weiterhin erst dann interessierten Betrieben des Ökolandbaus angeboten werden, wenn die bisherigen Pächter von sich aus die Pacht beenden. Der BUND schlägt ein alternatives Vergabeverfahren vor, welches ökologisch ausgerichtete Betriebe konsequenter bevorzugt. Bestehende Pachtverhältnisse könnten demnach nur dann verlängert werden, wenn sich die Betriebe zu einer Umstellung auf Ökolandbau bereit erklären. Auf Kritik stößt weiterhin, dass die Pachtverträge keine Aussagen zu Pflanzenschutzmitteln oder Düngemitteln enthalten und der Einsatz chemischer Mittel somit nicht ausgeschlossen wird.

Ein zentrales Problem ist nach Auffassung der Verbände, dass der Entwurf vorsieht, zukünftig die Umstellung auf Ökolandbau als Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahme vorrangig zu behandeln. Bislang wird die Bebauung wertvoller Naturflächen unter anderem durch die Schaffung artenreicher Wiesen, Hecken, Feldgehölze oder Kleingewässer ausgeglichen. Der neue Entwurf schlägt vor, den Verursachern auch auf städtischen Flächen einen Ausgleich zu ermöglichen, indem Teile der Ackerflächen fortan ökologisch bewirtschaftet werden. Der BUND sieht das im Sinne des Naturschutzes kritisch, da ökologische Äcker nur ein Lebensraum unter vielen sind und sie nicht die Bedürfnisse aller Tiere und Pflanzen abdecken. Zudem ist der Erholungswert für Menschen geringer.

Stand: 27.02.2017