Hintergrundinfo

Neue Gleise, neue Haltepunkte, optimierter Betrieb
Studie gibt Empfehlungen wie der Bahnknoten Hannover leistungsfähiger wird

Ein zusätzliches Bahnsteiggleis im Hauptbahnhof Hannover, ein in Abschnitten zweigleisiger Ausbau der Deisterstrecke - nur zwei mögliche Lösungsvorschläge, um den Kapazitätsproblemen am "Bahnknoten Hannover" zu begegnen. Im Auftrag der Region Hannover, der Landesnahverkehrsgesellschaft Hannover, des Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und des Zweckverbandes Großraum Braunschweig haben die Beratungsunternehmen SMA und Partner (Zürich) und VIA Consulting & Development (Aachen) die Leistungsanforderungen für den über Hannover laufenden Fern-,. Regional- und S-Bahnverkehr untersucht. Ihre Empfehlung: Investitionen in die Ertüchtigung der Infrastruktur sind unumgänglich, um der steigenden Nachfrage für Verkehrsleistungen auf der Schiene gerecht zu werden. Die Studie wurde heute im Verkehrsausschuss der Region Hannover präsentiert.

"Insbesondere die eng getaktete Nutzung einiger Schienentrassen führt zu Konflikten, die sich nicht allein durch bessere Betriebsabläufe abstellen lassen. Wir brauchen deshalb zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur", verdeutlichte der Verkehrsdezernent der Region Hannover, Ulf-Birger Franz die Ist-Situation am Verkehrsknoten Hannover, der wegen seiner zentrale Lage im Netz der deutschen Eisenbahn hoch belastet ist: "Die Region hat daher mit ihren Partnern im Eisenbahnverkehr eine institutionsübergreifende Arbeitsgruppe gebildet und Möglichkeiten untersuchen lassen, die Leistungsfähigkeit des Bahnknotens Hannover zu verbessern. "Wir sind eine wachsende Region und brauchen eine Infrastruktur, die mehr Nahverkehrszüge ermöglicht", fasst Ulf-Birger Franz die Zielsetzung zusammen.

Der gemeinsame Auftrag an die Gutachter lautete, zunächst Lösungsmöglichkeiten für die Jahre 2016 und folgende aufzuzeigen, mit denen Angebotsverbesserungen auf der S-Bahn-Stammstrecke, der S-Bahn Richtung Lehrte und für die RE-Verkehre auf dem Nord-Süd und Ost-West-Korridor erreicht werden können. "Bei Wahrung der Verhältnis-mäßigkeit an Kosten für Infrastruktur und Betrieb", wie Verkehrsdezernent Franz betont. Die Vorschläge der Gutachter wird die Region Hannover nun mit den anderen beteiligten Aufgabenträgern intensiv beraten.

S-Bahn-Stammstrecke: Linientausch macht neue Haltepunkte möglich

Die S-Bahn-Stammstrecke in Hannover bündelt einen Großteil des S-Bahn-Verkehrs und wickelt ihn über nur ein Bahnsteiggleis je Richtung im hannoverschen Hauptbahnhof ab. Im Szenario 2016 plus sind die bessere Vertaktung von überlagerten S-Bahn-Linien sowie die Errichtung neuer Stationen an Siedlungsschwerpunkten oder Verknüpfungen mit der Stadtbahn vorgesehen. Durch einen Linientauch der S4 mit der S5 in Hannover können diese Ziele erreicht werden, heißt es in der Empfehlung der Gutachter. Damit kann eine stündliche Verbindung zwischen dem Flughafen und dem Messegelände eingerichtet werden. Gleichzeitig bleibt eine ebenfalls stündliche Fahrtbeziehung zwischen Flughafen und Springe/Hameln bestehen.

Geprüft wurden folgende Vorhaben:


S-Bahnstrecke Lehrte: Mehr Zugbetrieb durch moderne Technik

Die S-Bahn-Strecke nach Lehrte ist größtenteils nur eingleisig und wird neben einem 30-Minuten-Takt nach Lehrte (- Celle/Hildesheim) auch durch die stündliche Linie S6 (Hannover - Celle) befahren, die die eingleisige Güterzug-Umfahrung von Lehrte nutzt. Im Verlauf der S6 zwischen Hannover und Burgdorf müssen aufgrund der starken Nachfrage die Kapazitäten erhöht werden. Da die S6 eine Reihe von Engpässen befährt, ist eine zusätzliche Linie in der Hauptverkehrszeit (HVZ) nicht ohne umfangreiche Ausbaumaßnahmen möglich. Für das Zielnetz 2016+ ist daher auf der S6 eine Dreifachtraktion in der Hauptverkehrszeit zur Erhöhung der Kapazitäten vorgesehen. Dazu müssen in Aligse, Otze und Ehlershausen Bahnsteige verlängert werden. Zudem wird eine Blockverdichtung zwischen Celle und Lehrte auch im Hinblick auf den Güterverkehr empfohlen (durch die Nutzung moderne Zugbeeinflussungssysteme können mehr Züge in gleicher Zeit auf einem Streckenabschnitt verkehren).

RE-Verkehre im Nord-Süd-Korridor: Bahnsteigverlängerungen notwendig

Im Nord-Süd-Verkehr besteht der Wunsch nach einer durchgehenden RE-Verbindung zwischen Hamburg und Hannover, um den Umstiegsbahnhof Uelzen zu entlasten und eine durchgehende Fahrtmöglichkeiten zwischen den beiden Oberzentren auch im Regionalverkehr herstellen zu können. Wegen zahlreicher einzuhaltender Anschlüsse kann im Zielkonzept 2016 plus eine durchgehende Linie Hamburg - Hannover erst einmal alle zwei Stunden eingerichtet werden, die aufgrund der Nachfrage im Raum Hamburg mit 7-Wagen-Zügen betrieben werden muss. Dazu sind Bahnsteig-verlängerungen in Suderburg, Großburgwedel, Isernhagen und Nordstemmen notwendig. In den anderen Zeitlagen verbleibt die Bedienung wie heute.

RE-Verkehre im Ost-West-Korridor: Zusätzliches Gleis im Hauptbahnhof Hannover

Auf den Strecken in Richtung Minden, Nienburg, Wolfsburg und Braunschweig

besteht der Wunsch nach systematisierten 30-Minuten-Takten im RE-System im Tagesverkehr. Aufgrund des Mischverkehrs und der laufenden Verkehrsverträge auf diesen Strecken sind diese nur eingeschränkt und ggf. in einem längeren Realisierungszeitraum umsetzbar. In Richtung Minden ist ein 30-Minuten-Takt mittelfristig nicht möglich, und erfordert erhebliche Infrastrukturausbauten. In Richtung Nienburg ist der 30-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit bereits vorhanden. Das Zielnetz 2016 plus sieht eine durchgehende HVZ-Linie Nienburg - Wolfsburg vor, die sich für den Knoten Hannover aus betrieblicher Sicht besonders günstig auswirken würde. Die Züge in Richtung Wolfsburg sind abhängig vom Fernverkehr und haben Taktabweichungen von bis zu 6 Minuten. Zur Einführung der Mehrverkehre Richtung Wolfsburg ist in Hannover Hauptbahnhof ein zusätzliches Bahnsteiggleis (Gleis 15) erforderlich. In Richtung Braunschweig kann ein angenäherter 30-Minuten-Takt (Abweichung max. 4 Minuten) aus RE60/70 und RE1/RE8 hergestellt werden, sobald dies vergabetechnisch möglich ist. Durch eine längere Haltezeit von RE60/70 in Hannover Hbf wird dabei eine optimale Knoteneinbindung sowohl in Hannover als auch in Braunschweig erreicht.

"Die Qualität des öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene ist in der Region Hannover anerkannt gut und wird entsprechend stark nachgefragt. Um diesen Standard zu sichern und durch weitere Angebote noch mehr Fahrgäste für unsere S-Bahnen und Regionalzüge zu gewinnen, muss der 'Bahnknoten Hannover' zwingend ertüchtigt werden", bilanziert Elke van Zadel, Leiterin des Fachbereichs Verkehr der Region Hannover: "Die Ergebnisse zeigen, wie feste Taktlagen, die Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte und längere Züge mit einem größeren Platzangebot möglich gemacht werden können". Die veränderten Bedienungsformen bei der S-Bahn und beim RE-Verkehr im Nord-Süd-Korridor werden nach und nach bei den anstehenden Ausschreibungen im Schienenpersonennahverkehr berücksichtigt."

Stand 19.02.2016