Hintergrundinfo

Kompost aus der Biotonne
im Sinne der Kreislaufwirtschaft

Oberstes Prinzip im ökologischen Landbau ist ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf. Dies wird in der Regel dann am besten erreicht, wenn Pflanzenbau und Tierhaltung miteinander kombiniert sind. Diese klassische Form gemischter Betriebe entspricht aber immer weniger der Realität. Wirtschaftlicher Druck zwingt auch in der ökologischen Landwirtschaft zur Rationalisierung und Intensivierung. Die Zahl viehloser Ökobetriebe nimmt zu und stellt die Akteure des Ökolandbaus damit vor die Aufgabe, weitergehende Kreisläufe zu schließen. Erfolgreich umgesetzt wird dies in der Praxis beispielsweise schon durch überbetriebliche Kooperationen.

Einen vielversprechenden Ansatz, um die Kreislaufwirtschaft zu erweitern, bietet der Einsatz von Kompost aus der getrennten Bioabfallsammlung privater Haushalte, dem sogenannten Biogutkompost. Nährstoffe, die mit den Lebensmitteln zum Konsumenten in die Städte gelangen, können auf diese Weise wieder auf die Felder und Beete zurückgeführt werden.

Die Kompostmengen sind beträchtlich

Jährlich gelangen etwa vier Millionen Tonnen Bioabfälle aus den Biotonnen privater Haushalte in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen. Zusammen mit den rund fünf Millionen Tonnen Grüngut aus Garten- und Parkabfällen werden daraus insgesamt jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen Kompost hergestellt. Diese Komposte werden als reine Biogutkomposte oder Grüngutkomposte angeboten.

Welche Regeln gelten für den Einsatz im Ökolandbau?

Ökobetriebe, die Biogutkompost auf ihre Felder ausbringen möchten, müssen neben den Bestimmungen der Bioabfallverordnung und des Düngerechts die Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau beachten. Danach dürfen nur Erzeugnisse aus getrennt gesammelten pflanzlichen und tierischen Haushaltsabfällen verwendet werden, die durch Kompostierung oder anaerobe Gärung bei der Erzeugung von Biogas gewonnen wurden. Die Komposte dürfen bestimmte Höchstgehalte an Schwermetallen nicht überschreiten und es dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen (zum Beispiel als Kompostbeschleuniger) verwendet werden.

Strengere Regeln bei Bioland und Naturland

Strenger sind die Vorgaben für die Anwendung von Biogutkompost, die Bioland und Naturland 2014 erarbeitet haben. Danach müssen Biogutkomposte zusätzlich zu den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau unter anderem die folgenden Vorgaben einhalten:


Regelungen anderer Anbauverbände

Auch bei Ecovin ist der Einsatz von Biogutkompost unter Einhaltung bestimmter Vorgaben zulässig. Genauere Informationen dazu sind bei Ecovin zu erfragen. In allen übrigen Anbauverbänden ist der Einsatz von Biogutkompost derzeit nicht erlaubt.

Kosten und Verfügbarkeit

Ob sich der Einsatz von Biogutkompost rechnet, muss im Einzelfall geprüft werden. In Regionen mit intensiver Viehhaltung, in denen wenig bis gar kein Fertigkompost nachgefragt wird, kommt es vor, dass die Kompostwerke den Kompost sehr günstig oder sogar kostenfrei ab Werk abgeben. Der Landwirtin oder dem Landwirt entstehen dann lediglich Transport- und Ausbringkosten. In viehschwachen Regionen, wo die Nachfrage höher ist, muss dagegen mit höheren Bezugspreisen für den Kompost gerechnet werden. Entscheidend für die Kostenkalkulation ist auch die Entfernung der eigenen Felder zum nächsten Kompostwerk.

Stand 01.02.2016