Hintergrundinfo

Was wird aus den männlichen Küken?
Beim Ostereierkauf lohnt es sich, genau hinzuschauen

Ostern steht vor der Tür. Schon seit Wochen kündigen in den Regalen Schokohasen, bunte Süßigkeiten und die traditionellen Ostereier die höchsten kirchlichen Feiertage an. Die Frage nach der Herkunft der Hühnereier wird trotz all der Aufmerksamkeit nur gelegentlich gestellt. Noch seltener werden die teilweise dramatischen Rahmenbedingungen der Eier-Produktion beleuchtet.

Auf der Agrarministerkonferenz in Cottbus Anfang April wurde nun auf ein bundesweites Verbot des Tötens männlicher Küken gedrängt. Zwar konnten sich die Agrarminister nicht auf einen konkreten Ausstiegstermin einigen, trotzdem ist die Hervorhebung des Themas wichtig, um in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein für die derzeitige Praktik zu schaffen. Denn jährlich werden circa 46 Millionen Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet. Einziger Grund: Sie sind männlich und legen somit keine Eier.

"Steigende Eier-Absatzzahlen bedeuten auch steigende Tötungsraten der männlichen Küken", so BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. "Das ist nur den wenigsten bewusst. Die Naturkostbranche stand vor einigen Jahren vor dem gleichen Problem. Im Unterschied zu den konventionellen Eier-Produzenten gibt es derzeit eine ganze Reihe von Beispielen, wie Bio-Eier-Produzenten auf das Töten der Küken verzichten. Diese Projekte müssen bundesweit Schule machen."

Beispielhaft für die Anstrengungen der Naturkostbranche ist die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID)(www.bruderhahn.com/). Sie wurde 2012 von engagierten Biopionieren gegründet. Zu den Initiatoren gehört neben Carsten Bauck (Bauckhof Klein Süstedt), Hermann Heldberg (Naturkost Elkershausen) und Thomas Hölscher (Naturkost Erfurt) auch Matthias Deppe, Geschäftsführer des Großhandels Naturkost Nord.

"Ziel des Projektes ist es, eine zeitnahe und wirtschaftliche Lösung zu entwickeln, das nutzlose Töten der Bruderhähne kurzfristig zu beenden und langfristig einen Weg zu finden, der züchterisch eine Alternative darstellt, die ökonomisch sinnvoll ist. Natürlich begrüßen wir politische Schritte in diese Richtung. Die Erfahrung zeigt, dass Eigeninitiative und Visionen der Naturkostbranche unverzichtbar sind, um wirkliche Veränderungen herbeizuführen", bekräftigt Matthias Deppe die Relevanz des Projektes.

Ein weiteres Beispiel ist das Regionalprojekt Zweinutzungshuhn Ei care (www.aktion-ei-care.de/), welches auf Initiative von Terra Naturkost und der Marktgesellschaft der Naturland Betriebe zusammen mit einigen Bio-Betrieben im Berliner Umland entwickelt wurde. Ei Care zieht männliche und weibliche Küken gemeinsam auf und nutzt diese für die Eiererzeugung oder regionale Fleischspezialitäten, wie Gourmet-Hähnchen oder Genießersuppen.

"Die Agrarminister konnten sich weder auf einen Ausstiegstermin für das Töten männlicher Küken, noch zu einem Beschluss gegen das Schnabelkürzen durchringen. Das zeigt, dass noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Und noch eine weitere Gefahr besteht: Wenn es zu einem auf einzelne Bundesländer oder Deutschland beschränkten Tötungsverbot kommt, so ist damit zu rechnen, dass große konventionelle Betriebe ihre weiblichen Küken aus den Nachbarbundesländern oder dem europäischen Ausland beziehen. Die Tötung der männlichen Küken würde nur örtlich verschoben ", beschreibt Jörg Große-Lochtmann, Geschäftsführer der Marktgesellschaft der Naturland Betriebe, die komplexe Situation.

In Süddeutschland vermarktet die fränkische Naturkostkette Ebl Eier und Fleisch aus dem Gockel-Projekt (www.gefluegelhof-schubert.de/) des Geflügelhofes Schubert. Der Naturkostgroßhändler Bodan kooperiert mit dem Eierlieferanten Konrad Halder (Natürlich Bio-Ei GmbH) und bietet unter der Marke HennenGockelei (www.bodan.de/nachrichten/kennen-sie-das-hennengockelei) eine weitere Alternative. Die Legegemeinschaft "Die Biohennen" (www.diebiohennen.de) lassen ebenfalls Hühner und Hähnchen gemeinsam aufwachsen.

Nicht weniger innovativ zeigt sich die Naturkostbranche im Bereich der Haltung mit den immer populärer werdenden Mobilställen. Hintergrund für die Entwicklung war der Wunsch, ein praktikables System zu finden, um Überweidung und hohen Nährstoffeintrag in Stallnähe zu vermeiden. Gerade für Betriebe mit kleinen Herdengrößen sind die "Hühnermobile" eine gute Alternative. Mittlerweile ist der Markt für mobile Hühnerställe enorm gewachsen. Zu den führenden Herstellern zählen die Firmen Wördekemper Kollenberg & Co KG aus Nordrhein-Westfalen und Iris Weiland e.K. aus Hessen.

Welche Eier sollen zu Ostern also gekauft werden? Elke Röder rät zum Einkauf im Fachhandel.

"Im Naturkostfachhandel werden nicht nur die Eier der genannten Initiativen und Projekte angeboten. Die Lieferanten der Bioläden und Bio-Supermärkte sind meist bäuerliche Betriebe in der Region, denen das Wohl ihrer Hennen wichtig ist und die deshalb auf deren Bedürfnisse achten. Viele dieser Bio-Landwirte sind Mitglied in einem Anbauverband und tun weit mehr, als die EU-Öko-Verordnung festlegt. Im Naturkost-Fachhandel können Sie erwarten, dass die Eier von artgerecht gehaltenen Tieren stammen und die Herkunft der Futtermittel nachvollziehbar ist. Sollten Sie mehr wissen wollen: Fragen Sie nach! Im Fachhandel stehen in der Regel kompetente Fachleute zur Verfügung, die Fragen rund um Herkunft und Rahmenbedingungen beantworten können. Gleiches gilt für das Eier-Färben. Für alle, die auf chemisch hergestellte Farben verzichten wollen, bietet der Fachhandel Produkte zum Selberfärben auf Basis von Pflanzenpulvern und auch für vorgefärbte Eier schreibt die Öko-Verordnung natürliche Farben vor."