Hintergrundinfo

Jahrestrendthema Vegetarisch leben

"Fleischkonsum in Deutschland rückläufig - Zielgruppe Vegetarier und Veganer im Fokus" meldet Anfang August 2013 der Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU). Er beruft sich dabei auf die aktuellen Zahlen aus der "Versorgungsbilanz für Fleisch 2012" der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sowie eine eigene Online-Befragung bei 4.000 Verbrauchern, durchgeführt im Jahr 2012. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch sank um zwei Kilogramm. Vegetarische bzw. vegane Lebensmittel gewinnen im Gegenzug zunehmend an Bedeutung. So ist beispielsweise ein Umsatzplus von 34 Prozent mit vegetarischen Teilfertigprodukten zu verzeichnen.

Naturkostfachhandel bleibt die am stärksten frequentierte Einkaufsstätte
Laut der Online-Befragung des Vegetarierbunds sind die beliebtesten Einkaufsquellen für Fleischalternativen weiterhin die Bio- und Naturkostläden. 66 Prozent der Befragten kaufen dort ein und 44 Prozent der Konsumenten wünschen sich Bioqualität bei Fleischalternativen.
Sieben Millionen Vegetarier (acht bis neun Prozent der Bevölkerung) und etwa 800.000 Veganer leben im Dezember 2013 laut VEBU und Institut für Demoskopie Allensbach in Deutschland. Die Zahl hat sich in etwa 20 Jahren weit mehr als verzehnfacht. Der "typische Vegetarier" ist weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und lebt in der Großstadt. Dies ergab die Vegetarierstudie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter 4.000 vegetarisch und vegan lebenden Menschen.

Gründe, die für kein oder weniger Fleisch sprechen
Für 63 Prozent der Vegetarier spielen bei der Entscheidung gegen den Konsum von Fleisch vor allem ethische Gründe eine Rolle: Sie wollen nicht für das Töten von Tieren verantwortlich sein. Die Carnivoren oder Fleischesser nehmen in Kauf, dass den Tieren während der Haltung, des Transports und der Schlachtung viel Leid widerfahren kann, auch wenn die Richtlinien für ökologische Tierhaltung mit den konventionellen nicht zu vergleichen sind.
20 Prozent geben gesundheitliche Gründe an. Eine vegetarische Lebensweise kann helfen, vielen Zivilisationskrankheiten vorzubeugen und der Entstehung von Resistenzen durch den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung entgegenzuwirken.
Weitere Gründe sind die ökologischen Aspekte: die Lösung von Umweltproblemen durch die Folgen der Überdüngung oder die Emission von Treibhausgasen. Ein einziger fleischfreier Tag in der Woche aller Bundesbürger würde beispielsweise pro Jahr 140 Millionen weniger geschlachtete Tiere und Einsparungen bei den Treibhausgasemissionen vergleichbar mit denen von sechs Millionen Autos bedeuten.
Soziale und politische Verantwortung für den globalen Süden kann ebenfalls ein wichtiger Grund für eine vegetarische Lebensweise sein. Für ein Kilogramm Fleisch werden zwischen sieben und 16 Kilogramm Getreide oder Sojabohnen benötigt. 50 Prozent der weltweiten Getreideernte und 90 Prozent der Sojabohnenernte werden derzeit an Masttiere verfüttert.

Last but not least: Fleisch ist, wenn es "Preis-wert" ist, für viele Menschen einfach zu teuer.

Das Sortiment im Biohandel
Tofu und Tempeh (35 Prozent), Produkte aus Seitan (31 Prozent) und Soja (24 Prozent) gehören zum Basissortiment eines Bioladens. Interessanterweise wollen etwa 70 Prozent der Befragten nicht, dass Fleischalternativen so ähnlich aussehen, schmecken und heißen wie ihre tierischen Vorbilder. Tofu-Würstchen, Seitan-Schnitzel oder auch Tempeh-Spieße heißen die bekanntesten Fleischalternativen. Dabei ist es für den Erfolg entscheidend, das Sortiment eindeutig von den fleischhaltigen Produkten abzugrenzen.
Die Nachfrage jedenfalls wächst. In Deutschland gibt es bereits zahlreiche vegetarische wie auch vegane Cafés und Restaurants. In Berlin etablierte sich gleich an zwei Standorten die Supermarktkette "Veganz", Eröffnungen weiterer Läden in Leipzig und Essen sind geplant. Sowohl die Sortimentsliste als auch die zahlreichen Online-Shops geben einen guten Überblick über das Verkaufspotenzial.
Ein preisgünstiges, saisonales und regionales vegetarisches oder auch veganes Menü im Bioimbiss eines Naturkostladens macht Appetit auf mehr - und ist Aufhänger für ein zukunftorientiertes Sortimentskonzept für den Biofachhandel.