Hintergrundinfo

Plastiktüte, Plastik und ihre Alternativen
In Europa wird der herkömmlichen Tüte der Kampf angesagt - zu Recht

Plastiktüten haben unendlich viele Aufgaben: Von der Mülltüte über die Einkaufstragetasche oder die Schulbrottüte bis hin zum europaweiten Symbol für Verschwendung und überflüssigen Müll. Ihre Stärken sind Stabilität, Haltbarkeit und ein geringes Gewicht. Diese sind jedoch zugleich auch ihre Schwäche: Landet die Kunststofffolie in der Natur, verbleibt sie dort jahrzehntelang und wird zur Gefahr für Tiere und Menschen. Die konservativste Schätzung geht davon aus, dass jede/r Deutsche fast 70 Tüten im Jahr verbraucht - hier sind Obstbeutelchen, Abfallsäcke und zusätzliche Verpackungsfolien nicht mitgerechnet.

Plastik: nicht nur Tüten sind ein Problem
Die Tüte als Stellvertreterin für das Problem Plastik rückt immer wieder ins Zentrum der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Debatte. Am Ende geht es immer um die Plastiktüte: ob bei der Diskussion um Biokunststoff (biobasiert und/oder bioabbaubar), um Sammlung, Erfassung und Verwertung von Verpackungen oder um die Vermüllung (Littering) der Weltmeere. Der NABU begrüßt die steigende Sensibilität und Kritik gegenüber dem Werkstoff Plastik. Allerdings darf sich die Diskussion nicht nur um die Tüte drehen, auch wenn hier das Problem klar umrissen ist und vergleichsweise einfach erzählt ist. Denn viele Kunststoffe oder Verbunde aus Kunststoff und anderem Material sind weitaus problematischer für die Natur und den Menschen. Mit der gesellschaftlichen Neuerfindung einer umweltfreundlichen Tragetasche muss deshalb auch der Einstieg in den Ausstieg aus althergebrachten Kunststoffen einhergehen.

Anforderungen an den Werkstoff Plastik
Bisher gibt es Kunststoffe, die entweder bioabbaubar oder recycelbar sind. Der NABU hat zum Leitbild, dass in Zukunft beide Eigenschaften zugleich erfüllt sein müssen. Weder Polymilchsäuren PLA oder Polyethylen auf Zuckerrohrbasis noch irgendein anderer Biokunststoff weist diese Eigenschaften auf. Das erfordert eine völlig neue Herangehensweise an Kunststoffe und das Recyclingsystem, die auch auf Schadstoffe wie Bisphenol A, Phtalate, bromierte Flammschutzmittel oder schädliche bzw. ressourcenverschwendende Pigmente verzichten muss.

Erforderlich: ein Umdenken in der Industrie
Die chemische Industrie in Deutschland spricht bisher von einem "Feedstock Change", das heißt einem Wechsel des Rohstoffs: von Erdöl, als nicht nachwachsender Rohstoff, zu nachwachsenden und damit pflanzlich basierten Kohlenstoffverbindungen. Es fehlt jedoch das klare Bekenntnis zu einer Neuaufstellung der Kunststoffchemie. Vielen Vertretern der Kunststoffindustrie ist es immer scheinbar gleichgültig oder sogar sehr recht, wenn recycelbare Kunststoffe verbrannt werden. Das zeigt: Wer sich mit der Ökologisierung von Kunststoff befasst, steht starken Interessen zur Besitzstandswahrung der etablierten Hersteller gegenüber. In Hinblick auf aktuelle politische und wirtschaftliche Prozesse vertritt der der NABU folgende Standpunkte:


Dass Plastikmüll in der Natur und insbesondere in den Gewässern innerhalb der letzten 60 Jahre eine der großen ökologischen Katastrophen des weltweiten Wohlstandszuwachses ist, motiviert den NABU darin, neue Kunststoffe, funktionierende und verbraucherinformierende Abfallsysteme sowie ein verantwortungsvolleres Verhalten bei Verbrauchern und Herstellern einzufordern.