Hintergrundinfo

Das Ende des Konsumterrors
CSCP Konferenz zu nachhaltigen Lebensstilen in Köln

"Im 20. Jahrhundert gab es den Hyper-Konsum. Das 21. wird das Jahrhundert des Gemeinschaftskonsums", sagte Rachel Botsman auf der CSCP Konferenz in Hürth bei Köln. Ihr Vortrag wird per Videokonferenz aus Australien eingespielt. Die junge Frau bringt alles mit, was eine Web 2.0 Ikone braucht: Sie ist energiegeladen, redegewandt und hat das Konzept für einen neuen Trend.

Gemeinschaftskonsum - zu neudeutsch Collaborative Consumption - bedeutet: Menschen organisieren sich über Netzwerke, meist Internetplattformen, um gemeinsam ein Stück Land zu bebauen, gebrauchte Kinderkleidung zu tauschen, fremden Leuten ihr Sofa zu Verfügung zu stellen, Geld zu verleihen, Nachbarschaftshilfe zu leisten und Werkzeuge, Autos oder Fahrräder zur Nutzung anzubieten. Was früher schlichtweg Nachbarschaftshilfe war, wird heute mit Hilfe des Internets im globalen Dorf weltweit organisiert. Das Internetauktionshaus Ebay markierte nur den Anfang dieser Entwicklung. Die Britin Rachel Botsman hat darüber ein Buch geschrieben, das nicht nur in der Nachhaltigkeitsszene gut ankam. "What´s mine is yOURS: the rise of collaborative consumption", frei übersetzt, "Was mein ist, ist auch Dein - der Aufbruch zum Gemeinschaftskonsum". Der Veranstalter, das Collaborating Center on Sustainable Consumption and Production (CSCP), hatte genau das richtige Publikum für ihren Vortrag: Umweltaktivisten, Gründer, Wissenschaftler, Politiker aber auch bekannte Hersteller aus der Sport-, Möbel- und Lebensmittelbranche zieren die Teilnehmerliste. Die Konferenz markierte auch den Start einer neuen Internet-Plattform, SPREAD - Sustainable Lifestyles 2050. Mit diesem Projekt möchten die Macher von CSCP vorhandenes Wissen bündeln, Stakeholder vernetzen und einen Fahrplan für den nachhaltigen Konsum entwickeln. Es herrscht Aufbruchstimmung. Botsman ist überzeugt, dass die Gesellschaft an einem Wendepunkt angekommen ist. Es gibt großen Druck, weil viele Umweltprobleme ungelöst sind, sagt sie. Gleichzeitig sitzt der Schock der Wirtschaftskrise bei vielen Verbrauchern noch tief. Die Basis der Entwicklung ist Vertrauen, sagt die Autorin, und zwar Vertrauen zwischen fremden Menschen. Der Antrieb ist das menschliche Bedürfnis, Teil der Gemeinschaft zu sein. "Es gibt einen neuen Glauben in die Gemeinschaft und eine Flut von neuen Netzwerktechnologien, die es uns möglich machen, auf einfache und effektive Weise zu teilen". Das ist ihrer Meinung nach der Ausgangspunkt für eine neue Konsumgesellschaft. Das Motto: Man muss nicht alles besitzen, um es zu nutzen.

Gesa Maschkowski, aid

Stand: 07.07.2011