Hintergrundinfo

Sojaanbau in Deutschland: Was bringt die Zukunft?

Die Sojabohne ist aufgrund ihres hohen Proteingehaltes mit hoher Wertigkeit sowie wegen ihres Ölgehalts weltweit die wichtigste Körnerleguminose. Sie wird insgesamt auf rund 90 Millionen Hektar angebaut, schwerpunktmäßig in Südamerika, USA, China und Indien. Wegen der klimatischen Gegebenheiten und der derzeit verfügbaren Sorten ist der Anbauumfang in Deutschland derzeit sehr gering, obwohl Soja auch hierzulande als Nahrungsmittel und vor allem als Futtermittel eine wichtige Rolle spielt. Auf lediglich rund 4000 Hektar wird Soja hierzulande angebaut, rund die Hälfte davon ökologisch. Der weitaus größere Teil des in Deutschland verfütterten oder verarbeiteten Soja stammt aus Importen aus Übersee.

In den letzten Jahren ist der Sojaanbau in Deutschland aber stetig gestiegen, und es ist absehbar, dass dieser Trend sich fortsetzen wird. Denn besonders im ökologischen Landbau besteht eine große Nachfrage nach heimisch angebauter Soja. Mit dem sich stetig ausweitenden Anbau von gentechnisch veränderter Soja in Übersee wächst die Gefahr von Verunreinigungen auch bei importierter Bioware. Deshalb steigt bei den Bio-Verarbeitern das Interesse an heimisch angebauter Biosoja für Speisezwecke. Der Tofu-Hersteller Taifun beispielsweise bevorzugt für die Verarbeitung Sojabohnen aus regionalem Anbau und deckt derzeit etwa 50 Prozent seines Bedarfs daraus. Die Gefahr gentechnischer Verunreinigungen steigert auch die Nachfrage nach heimisch angebauter Soja zu Futterzwecken.

Dies wird durch die "Eiweißlücke" im ökologischen Landbau verstärkt: Bereits heute werden nur etwa halb so viele heimische Eiweißträger produziert wie benötigt werden. Und die Auflage im ökologischen Landbau, Schweine und Geflügel (ab 2012) zu 100 Prozent mit ökologisch hergestelltem Futter zu füttern, wird den Bedarf weiter wachsen lassen. Bereits im vergangenen Jahr suchte beispielsweise Bioland Markt Soja-Anbauer in Bayern, um gemeinsam mit Handelspartnern den Anbau und die Verfütterung von Biosoja auszuweiten. In Anbetracht des geringen Anbauumfangs besteht bei der Vermarktung von heimischer Biosoja zu Futter- und Speisezwecken also ein gutes Vermarktungspotential.

Gutes Potential bietet der Sojaanbau auch für Boden und Fruchtfolge: Durch ihre vergleichweise geringe Krankheitsanfälligkeit, die Fixierung von Luftstickstoff, die Mobilisierung von Phosphor sowie die intensive Durchwurzelung und Lockerung des Bodens bietet die Soja einen guten Vorfruchtwert. Jedoch gibt es auch Gründe dafür, dass der Sojaanbau in Deutschland bisher so gering ist: Die Sojabohne hat einen hohen Wärmebedarf und reagiert empfindlich bei Kaltluftlagen und Spätfrösten. Zwar sind viele Standorte in Deutschland im Hinblick auf die Wärmesummen potentiell für den Sojaanbau geeignet und der Temperaturtrend stieg in den letzen Jahren stetig an. Jedoch kommt zum Wärmebedarf auch insbesondere im Juli und Juni ein hoher Wasserbedarf; bei Trockenstress drohen Ertragseinbußen. Die Erträge an einem Standort können so in verschiedenen Jahren je nach Witterung sehr unterschiedlich ausfallen. Deshalb wird Soja derzeit vor allem in den Gunstlagen in Süddeutschland angebaut, die relativ sichere Erträge und Qualitäten liefern. Wegen der hohen Temperaturansprüche wird Soja zwischen Mitte April und Mitte Mai ausgesät, was außerdem einen relativ starken Beikrautdruck verursachen kann. Daneben treten auch schwankende Saatgutqualitäten und Krankheiten bzw. Schädlinge auf.

Um den Sojaanbau in Deutschland über diese Gunstlagen hinaus rentabel zu machen und die Nachfrage zu decken, bedarf es eines Züchtungsfortschritts hin zu gut an die heimische Klimalage angepassten Sorten, die auch mit kühler Witterung zurechtkommen. Weiterhin werden optimierte Anbauverfahren im Hinblick auf schwankende Witterung, Beikrautdruck und Schädlinge benötigt. Die beiden Aspekte Züchtung und pflanzenbauliche Optimierung werden in einem vom Bundesprogramm zur Förderung des Ökologischen Landbaus und anderer Formen der nachhaltigen Landwirtschaft geförderten, interdisziplinären Forschungsprojekt bearbeitet. Das Projekt trägt den Titel "Ausweitung des Sojaanbaus in Deutschland durch züchterische Anpassung und pflanzenbauliche Optimierung". In den kommenden drei Jahren werden in diesem Projekt wichtige Grundsteine für eine erfolgreiche Zukunft des Sojaanbaus in Deutschland gelegt.

Stand: 08.06.2011