Hintergrundinfo

Fleischkonsum und Klimawandel
Deswegen hört doch keiner auf, Fleisch zu essen

Erzählen Sie mal einem an der Currywurstbude, er solle wenigstens einmal in der Woche seiner Wurst leckeres Gemüse vorziehen, weil Fleischkonsum die globale Erwärmung vorantreibt. Was amüsant erscheinen mag, wäre tatsächlich eine hilfreiche Maßnahme. Der landwirtschaftliche Sektor, vor allem jener der Nutztierhaltung, bietet ein großes Einsparpotential an Treibhausgasen. Laut FAO ist die Viehhaltung weltweit für 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist mehr als der gesamte Transportsektor verursacht.

Für unsere Ernährungsvorlieben zahlen wir einen hohen Preis

Die Produktion tierischer Erzeugnisse ist weitaus energieaufwendiger, als die pflanzlicher Produkte. Dadurch werden bei ihrer Herstellung deutlich mehr Emissionen freigesetzt. Besonders viel Energie aus fossilen Energieträgern wird bei der Produktion und dem

© foodwatch/ frankweinert.com

Transport von so genannten Importfutterpflanzen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, verbraucht. Laut BUND werden über 70 Prozent der Eiweißfuttermittel, die in Deutschland eingesetzt werden, importiert. Der Großteil dieser Futtermittel besteht aus gentechnisch veränderten Mais- und Sojapflanzen. Die in den Futterpflanzen enthaltene Nahrungsenergie findet sich im tierischen Endprodukt jedoch nur zu etwa einem Drittel wieder. Die restlichen zwei Drittel sind sogenannte "Veredlungsverluste", die im tierischen Stoffwechsel verloren gehen.
Doch das sind nicht die einzigen Gründe, für die schlechte Klimabilanz tierischer Lebensmittel. Neben Kohlendioxid, spielen in der Landwirtschaft die Treibhausgase Methan und Lachgas eine zentrale Rolle. Diese weitaus schädlicheren Treibhausgase entstehen durch die Lagerung und Ausbringung von tierischem Dung wie Stallmist, Gülle und Jauche. Aber auch während der Verdauung der Nahrung stoßen Wiederkäuer zusätzliches Methan aus. Dieser Methanausstoß wird vor allem durch das moderne Kraftfutter verstärkt.

Welche Ernährungsform ist nun die klimaschonenste?


Der foodwatch-Report "Klimaretter Bio?" aus dem Jahre 2008 beantwortet diese Fragestellung. Auch wenn solche Studien nie alle Faktoren berücksichtigen können und daher nur Anhaltspunkte liefern, wird anhand der Infografik dennoch deutlich, welche Tendenz zur Einsparung von CO2-Äquivalenten von den verschiedenen Ernährungsweisen
© foodwatch/ Dirk Heider

ausgeht. Eine Änderung des Ernährungsverhalten hin zu mehr pflanzlicher Kost, würde sich in unserer Klimabilanz also deutlich bemerkbar machen.
Die von foodwatch in Auftrag gegebene Studie unterscheidet außerdem zwischen biologischen und konventionellen Produkten. Tendenziell weisen ökologische Produkte eine günstigere Klimabilanz auf, aber für ein ernsthafte Reduzierung der landwirtschaftlichen CO2-Äquivalente müsste der Konsum tierischer Produkte in jedem Fall eingeschränkt werden.

Klimaschutz auf dem Teller bedeutet nicht, gänzlich auf Fleisch- und Milchprodukte zu verzichten. Eine Reduzierung jener Produkte würde bereits einiges an Emissionen einsparen. Denn von den 133 Tonnen CO2-Äquivalenten, die die deutsche Landwirtschaft jährlich ausstößt, stammen laut foodwatch rund 71 Prozent aus der Tierhaltung. Mehr als die Hälfte davon aus der Rindfleisch- und Milchproduktion. Der ein oder andere fleischfreie Tag die Woche, wäre also ein wichtiger Beitrag für das Klima.

CO2-Äquialente:
Die verschiedenen Klimagase wie z. B. Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas(N2O) besitzen unterschiedliche Klimaschädlichkeiten. So ist beispielsweise Methan fünfundzwanzig mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid. Um Produkte, die während ihrer Herstellung eine Reihe unterschiedlicher Klimagase ausstoßen, untereinander vergleichbar zu machen, fasst man deren Klimaschädlichkeit rechnerisch als sogenannte CO2-Äquivalente zusammen.

Jasmin Vettel, Umweltzentrum Hannover e.V.

Stand: 04.05.2011