Hintergrundinfo

EU knickt ein - Gentechnikspuren in Futtermitteln erlaubt
Politik handelt gegen Verbraucherwillen

Gräfelfing - Gestern verabschiedete sich die EU vom Prinzip der Nulltoleranz. In Zukunft dürfen nach Wunsch der EU-Kommission Futtermittel gentechnisch veränderte Anteile bis zu 0,1 Prozent enthalten. Dies gilt auch für nicht in der EU zugelassene Gentechnik-Pflanzen. "Diese Entscheidung der EU ist ein herber Rückschlag für die nachhaltige, ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft. Durch die Hintertür wird mit Schwellenwerten eine schleichende Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Pflanzen gegen den Willen der Verbraucher akzeptiert!" kommentiert Hans Hohenester, Öko-Bauer und Naturland Präsidiumsvorsitzender die Entscheidung in Brüssel. "Damit wird die Chance der EU, sich mit gentechnikfreien Produkten einen Zukunftsmarkt zu sichern, aufs Spiel gesetzt", erklärt Hohenester. "Wir appellieren an die verantwortungsbewussten EU-Parlamentarier, diesen Entschluss noch zu stoppen!" so Hohenester weiter.

Politik entfernt sich vom Verbraucher

Die Ablehnung der Agro-Gentechnik in der EU und in Deutschland wächst ständig. Mit den Argumenten "zu unsicher", "nicht natürlich", "nicht wieder rückholbar", "Eingriff in die Natur" stehen immer mehr Verbraucher dem Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) kritisch gegenüber. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) lehnen in Deutschland aktuell 87 Prozent die Agro-Gentechnik ab. Die gestrige Entscheidung der EU zeigt deutlich, dass damit Wirtschaftsinteressen höher bewertet werden als Verbraucherinteressen. Auch Deutschland und damit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner haben für die Aufgabe der Nulltoleranz gestimmt und damit gezeigt, wie stark der Einfluss der Futtermittelindustrie ist. Die USA hatten schon lange für eine Lockerung der europäischen Gentechnikregeln plädiert.

Öko-Landbau arbeitet ohne Gentechnik

Je mehr Schlupflöcher für GVO-Pflanzen geöffnet werden, desto höher werden die Kosten für Analysen und getrennte Produktionswege von Bauern und Herstellern, die ohne Agro-Gentechnik arbeiten wollen. Das bedeutet, Verbraucher, Erzeuger und Verarbeiter müssen für die Verunreinigungen der Agro-Gentechnik-Industrie zahlen.
Der Ansatz der Gentechnik widerspricht den grundlegenden Werten der Ökologischen Wirtschaftsweise. Gentechnische Verfahren konzentrieren sich allein auf den genetischen Aufbau ohne den Organismus oder das System zu berücksichtigen, innerhalb dessen ein Organismus funktioniert. Die Landwirtschaft braucht keine Gentechnik! Das belegt auch der Weltagrarbericht für die globale Landwirtschaft. Insbesondere der Öko- Landbau bezieht eine klare Position gegen diese Risikotechnologie. Naturland verankert die Ablehnung der Agro-Gentechnik in seinen Richtlinien - sowohl in der Erzeugung wie auch in der Verarbeitung.

Naturland fördert den Ökologischen Landbau weltweit und ist mit 53.000 Bauern und über 500 Herstellern als Naturland Partner einer der größten Öko- Verbände. Als zukunftsorientierter Verband gehören für Naturland Öko- Kompetenz und soziale Verantwortung zusammen.

Stand: 01.03.2011