Hintergrundinfo

Mein kleiner Balkongarten -
Tipps und Tricks für Anfänger

Für diesen Sommer habe ich mir vorgenommen meine drei Quadratmeter große Balkonfläche farbenfroher zu gestalten. Neben Tomatenpflanzen und Tulpen, dürfen ein paar nützliche Küchenkräuter dabei nicht fehlen. Besonders wichtig: Bio soll es sein! Erfahrungstechnisch liege ich jedoch im Anfängerbereich. Ein Fachmann der Bio-Gartenbranche hilft mir deshalb bei meinem Vorsatz und weiht mich in die kleinen Geheimnisse des Balkongärtnerns ein.

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Claus Koch betreibt seine Bio-Staudengärtnerei seit 1986. Auf die Frage warum er sich für Bio entschied, bekomme ich eine prompte Antwort. Bio sei für ihn aus Umweltgründen schon immer selbstverständlich gewesen. Bio-Pflanzen würden außerdem besser wachsen. Er verkauft in seiner Gärtnerei in Hemmingen bei Hannover Kräuter- und Staudenpflanzen aus biologischem Anbau. Außerdem ist er auf vielen Wochenmärkten der Region vertreten.


Die passenden Blumentöpfe


Pflanzen brauchen Platz. Im Garten mangelt es ihnen kaum daran. Auf dem Balkon sind die richtigen Blumenkübel und Blumenkästen jedoch mitentscheidend für die Gesundheit der Lieblinge. "Man sollte die Pflanzen nie zu eng nebeneinander setzen", erklärt mir Koch. "Man unterschätzt leicht, um wie viel die Pflanzen noch
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zulegen." Pflanzt man sie zu dicht, sind die Pflanzen gestresst, der Wurzelraum reicht nicht aus und sie leiden an Nährstoffmangel. Dadurch werden die Pflanzen anfällig für Krankheiten. Durch die Wurzeln nehmen die Pflanzen ihre Nährstoffe auf. Haben sie mehr Platz sich auszubreiten, können sie mehr Mineralstoffe aus der Erde ziehen. "Als Faustregel gilt: In ein Blumenkasten mit 80cm Breite passen vier bis fünf Pflanzen", weiß der Fachmann. "Das hängt natürlich immer von den Pflanzen ab."

Auch die Wurzeleigenschaften einer Pflanze sollte man beim Blumentopfkauf im Blick haben. Eine Pflanze wie Liebstock, mit einer Pfahlwurzel, die tief in die Erde ragt, sollte laut Koch in dem Topf viel Platz nach unten haben können. An dieser Stelle empfiehlt sich ein Einzeltopf. Der Vorteil daran ist, man kann sie individueller behandeln. Der Nachteil: In einem Blumenkasten trocknen die Pflanzen durch das größere Volumen nicht so schnell aus wie in Einzelhaltung. Bei einem Blumenkasten sollte vor allem daran gedacht werden, dass die Pflanzen sich dort eng miteinander verwurzeln. Ein fachgerechtes Umtopfen ist dadurch im Nachhinein nicht mehr möglich. Ein Blumentopf sollte außerdem immer einen guten Wasserabzug besitzen. Koch erzählt mir, dass der Grund für das Eingehen von Pflanzen in rund 50 bis 70 Prozent der Fälle auf einen nicht funktionierenden Wasserabzug zurückzuführen ist. "Ein weiterer Standardfehler ist ein Übertopf, bei dem die Blumen schnell unbemerkt im Wasser stehen bleiben und ihre Wurzeln dadurch anfaulen", weiß der Biogärtner.


Saat, Zwiebel oder Setzling?


"Ich würde immer zu Setzlingen raten, weil man dabei als Anfänger eigentlich nichts falsch machen kann und es zudem am bequemsten ist", rät Koch. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Blumenzwiebel im Winter verfault, ist außerdem recht hoch. Damit sie im Frühling aufblüht, muss man sie bereits im Herbst in die Erde setzen. Um dem Faulen entgegenzuwirken, kann man die
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in den Topf eingepflanzte Zwiebel zusätzlich mit Sand abdecken. Das schützt den Austrieb der Blumenzwiebel und reduziert damit die Fäulnisgefahr.
"Es spricht natürlich nichts dagegen, wenn jemand eine Zucchinipflanze auf seinem Balkon selber ziehen möchte", äußert Koch. Der Aufwand sei dann natürlich größer. Bei vielen selbstgesäten Pflanzen ist das Aroma jedoch nicht befriedigend. Ein Bespiel ist Estragon, da er bei einer Saatvermehrung an Aroma verliert.


Welche Blumenerde ist geeignet?


Bei der Auswahl der richtigen Blumenerde ist es entscheidend, für welche Pflanzen man die Erde benötigt. Für Samen und Setzlinge braucht man eine nährstoffarme, keimfreie und wasserdurchlässige Erde, die sogenannte Anzucht -oder Saaterde. Keimlinge und Setzlinge sind sehr empfindlich und die Düngesalze der normalen Blumenerde lassen frisch gesäte Samen verfaulen und greifen die Wurzeln der Setzlinge stark an. Bei normalen Pflanzen hat man dagegen freie Wahl. Ob Bio oder Normal, dass sollen die Kunden laut Koch selbst entscheiden. Für das Pflanzenwachstum ist das unbedeutend. "Man sollte aber auf Qualität achten und lieber einmal tiefer in die Tasche greifen", rät er.
Wichtig ist bei der Bio-Variante hingegen, dass man schneller nachdüngen muss. Bereits nach zwei bis drei Wochen kann eine erneute Düngung notwendig sein. Bei normaler Erde, die mit Mineraldüngern vorgedüngt ist, sollte man aber frühestens ab sechs bis acht Wochen nachdüngen. Es kann auch mal vorkommen, dass sich in der Erde Trauermückenlarven eingenistet haben. Durch die organischen Zuschlagsstoffe ist Bio-Erde hierbei gefährdeter. "Das kann in der Praxis immer mal wieder vorkommen", erwähnt der Bio Gärtner. "Bei normaler- genauso wie bei biologischer Erde." Hierbei kann man Produkte wie Biomükk einsetzen, die auf biologische und sanfte Art dem Problem entgegenwirken.


Die richtige Kombination


"Man kann nicht alles in einen Topf setzten", erfahre ich von Koch. "Vor allem wurzelausläuferbildende Pflanzen wie Minze und Estragon sind nicht mit anderen Pflanzen kombinierbar, da sie sich zu schnell ausbreiten und den anderen Pflanzen letztendlich die Nährstoffen wegnehmen." Bei Kräuterpflanzen sollte man grundsätzlich sonnen- und trockenliebende Pflanzen wie Lavendel und Rosmarien und
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feuchtliebende und lichtscheue Pflanzen wie Petersilie und Sauerampfer zusammen halten. Das gilt natürlich auch für andere Pflanzen. Farblich ist es natürlich immer ein schöner Blickfang, wenn man Blumen mit warmen Tönen wie rot und gelb gemeinsam kultiviert. Das gleiche gilt für kalte Farben wie blau und weiß. Im Grunde genommen ist das aber Geschmackssache.


Auf die Pflege kommt es an


"Ich kann die Erfahrung nicht bestätigen, dass das Gießen in der Sonne, den Pflanzen schadet", schildert Koch seine Beobachtung im Laufe der Jahre. "Wichtig ist nur, dass die Blumen bis es dunkel wird, trocken sind." Beim Gießen sollte man dennoch darauf achten, dass man nicht so viele Blätter mitgießt, da so in der prallen Sonne die Gefahr von Blattbrand steigt. Der Ballen sollte nach dem Gießen komplett durchgefeuchtet sein. Bei Übertöpfen darf man das Abgießen des überschüssigen Wassers nicht vergessen.
Bei Pilzerkrankungen gibt es bestimmte Biospritzmittel, die Koch auch auf den Wochenmärkten für seine Kunden immer mit dabei hat. Bei Lausbefall kann man auch erst einmal versuchen die Läuse mit Wasser abzuwaschen. Durch die zunehmende Verbreitung des asiatischen Marienkäfers im Raum Hannover, seien Blattläuse aber ein immer kleineres Problem, erzählt Koch. Auch Schnecken sind das kleinere Übel, oft reicht es, sie einfach abzusammeln.
Sind die alten Blätter gelb, während die neuen grün nachwachsen, ist das ein Zeichen dafür, dass man die Pflanze umtopfen sollte. Denn wenn der Topf zu klein ist, bietet die Blumenerde der Pflanze nicht mehr genügend Nährstoffe. Die Pflanze holt sich diese dann für die Blattvermehrung aus den alten Blättern. Topft man die Pflanze um, ist das Problem beseitigt. "Wenn man die Pflanzen so kultiviert, wie sie es gerne haben, sind sie eigentlich nicht anfällig und bedürfen nur wenig Pflege", so Bio Gärtner Koch abschließend.

Jasmin Vettel, Umweltzentrum Hannover e.V.

Info:

Bio Gärtnerei Koch
Ostertorstr.27
30966 Hemmingen

Verkauf ab Betrieb und auf folgenden Wochenmärkten in Hannover:

Vormittags: 8-13 Uhr
*Mi Moltkeplatz
*Fr Stephansplatz
*Sa Lindener Marktplatz

Nachmittags: 14-18 Uhr
*Do Lister Meile/Gretchenstraße

Stand: 02.03.2011