Hintergrundinfo

Carrotmob - Klimaschutz von unten

Carrotmobs sind Teil einer neuen globalen Bewegung für den Klimaschutz. Das Prinzip ist einfach: Engagierte junge Menschen schließen sich zusammen und überzeugen Geschäftsinhaber, einen möglichst hohen Prozentsatz der Einnahmen eines vorher festgelegten Tages in Klimaschutzmaßnahmen für ihren Laden zu investieren. Möglichst viele Konsumentinnen und Konsumenten werden über Internet, soziale Netzwerke (zum Beispiel Facebook, Twitter), Presse, Radio, TV und Flyer mobilisiert, um an dem Tag einen maximalen Umsatz zu verwirklichen. Gemeinsam mit den Initiatoren überlegt der Ladeninhaber, in welche Klimaschutzmaßnahme das beim Carrotmob erwirtschaftete Geld investiert wird.

Zuckerbrot und Peitsche
Der Name "Carrotmob" basiert auf dem englischen Sprichwort "carrot and stick": Der Esel bewegt sich, wenn man ihn in den Hintern tritt, oder wenn man ihm eine Karotte vor die Nase hält. Brent Schulkin, der Initiator des ersten Carrotmobs entschied sich für die Variante mit der Karotte. Im Frühjahr 2008 besuchte er 23 Geschäfte in seinem Stadtteil und erzählte jedem Ladenbesitzer von seiner Aktionsidee. Er wollte möglichst viele Verbraucher dazu einladen, in einem Geschäft des Viertels eine Menge Geld auszugeben. Nur in welchem, das sei offen, denn das hänge von einer Frage ab: Welcher Ladenbesitzer ist bereit, am meisten in den Klimaschutz zu investieren?

Jeder Ladenbesitzer musste erklären, wie viel von dem, was der Carrotmob ihm an Geld einbrächte, er in eine Klimaschutzmaßnahme für das Geschäft investieren würde. Zehn Prozent wurden geboten, 17 Prozent, der Gewinner schließlich war bereit, 22 Prozent seines Umsatzes für Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.

Der Erfolg war überwältigend. Hunderte Menschen kamen und kauften Brot, Gemüse oder Wein. Der normale Tagesumsatz des Ladens lag bei rund 2.000 US-Dollar. Während des vierstündigen Carrotmobs waren es 9.400 Dollar. Ein gutes Geschäft für den Ladeninhaber und das Weltklima.

Think global, act local
Mittlerweile hat sich die Idee des Carrotmobs international verbreitet. Auch in Deutschland finden regelmäßig Carrotmobs in vielen Städten statt. Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen ihre Macht, die Welt in ihrem Sinne positiv zu verändern, indem sie Unternehmen und Geschäften Anreize bieten, umwelt- und sozialverträgliche Entscheidungen zu treffen.

Die Ladenauswahl bei einem Carrotmob orientiert sich ausschließlich an dem Anteil des Umsatzes, der für Klimaschutz eingesetzt werden soll. Das höchste Gebot erhält den Zuschlag. Deshalb reicht die Mischung auch vom Spätkaufkiosk über Gemüseläden bis hin zur Stadtteilkneipe.

Carrotmobs in Köln und Frankfurt
Am 24.Juli 2010 fand der 2. Kölner Carrotmob statt. Unter dem Motto "Kauft Brot für die Umwelt" waren Käuferinnen und Käufer aufgerufen, in der Bäckerei Schweitzer einzukaufen. Die Bäckerei hatte sich bereiterklärt, 100 Prozent des Tagesumsatzes in Klimaschutzmaßnahmen für den Laden zu investieren. Beim Carrotmob wurden 1.968,00 Euro Umsatz durch 520 zahlende Kunden erwirtschaftet. Normalerweise kaufen in der Bäckerei Schweitzer an einem Wochentag nur zwischen 200 und 250 Kunden ein.

Partylaune war am 26. Oktober 2010 beim "2. Frankfurter Carrotmob - ein Äppler für die Umwelt!" in Frankfurt am Main angesagt. Rund 200 Carrotmobber kamen in die gutbürgerliche Kneipe Luftikus im Frankfurter Gallusviertel. In den drei Stunden Klimaschutz-Party wurde ein Umsatz von 1.752 Euro gemacht. Das ist über das Vierfache, was der Gastronom Andreas Eberbach an einem vergleichbaren Abend umsetzen würde. Dieses Geld wird zu 100 Prozent in die klimafreundliche Modernisierung der Gaststätte investiert.

Und wenn gerade mal kein Carrotmob stattfindet...
Wer auch außerhalb eines Carrotmobs etwas für den Klimaschutz tun möchte, kauft am besten Produkte aus ökologischer Landwirtschaft. Ökolandwirte berücksichtigen in ihrer Arbeit von vornherein Aspekte des Klimaschutzes. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel sowie die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit durch natürliche Methoden führen zu einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes pro Hektar im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Flächen. Darüber hinaus speichern humusreiche Böden mehr und länger Wasser. Im Sommer benötigen die Pflanzen weniger Wasser, bei Regen wird die Schlammerosion gebremst. Der Einkauf im Bioladen wird so zum täglich gelebten Klimaschutz.

Stand: 25.01.2011