Hintergrundinfo

Schafhaltung in der Region Hannover
Ein Interview mit der Schäferin Antje Reps vom Gut Adolphshof

Antje Reps kümmert sich auf dem Gut Adolphshof um die wolligen Vierbeiner. Sie sieht sich nicht als klassische Schäferin, da sie nicht mit einem Hütehund die Herde täglich auf neue Weideflächen führt. Stattdessen grasen Ihre Schafe auf den Weiden in der Nähe des Hofes, um sie täglich zum Melken zu holen.

Frau Reps hat uns in einem Interview einen anschaulichen Eindruck von ihrer täglichen Arbeit als Schäferin vermittelt und gibt Ihnen Tipps für den Einkauf von Lammfleisch.

Frau Reps, seit wann werden auf dem Gut Adolphshof Schafe gehalten und zu welchem Zweck?
Seit das Gut Adolphshof besteht, gibt es Schafe auf dem Hof. Zuerst wurden Merinoschafe gehalten, die uns Fleisch und Wolle lieferten. Seit 2001 liegt unser Schwerpunkt auf der Käseherstellung, daher haben wir eine Milchschaf- und Milchziegenherde aufgebaut. Derzeit liefern ca. 50 ostfriesische Milchschafe und 28 weiße deutsche Edelziegen die dafür notwendige Milch. Die Schafrasse ist besonders auf Milchleistung gezüchtet, Fleisch und Wolle spielen bei uns keine große Rolle mehr. Unter unseren Kunden sind auch viele Allergiker, die besonders Schaf- und Ziegenmilchprodukte nachfragen.


Beschreiben Sie uns doch bitte die Schafhaltung auf dem Hof
Ab Mitte April bis Oktober sind alle Tiere Tag und Nacht auf der Weide und werden nur zum Melken in den Stall geholt. Während dieser Zeit bekommen die Schafe und Ziegen nur das Gras von unseren Bioweiden und größtenteils selbst erzeugtes Getreide und Erbsen. Natürlich alles in Bio-Qualität. Ende Oktober sind dann alle Schafe und Ziegen wieder gedeckt und die Milch wird immer weniger, so dass wir Anfang November ganz mit dem Melken aufhören. Die Melkpause bis Januar dient den Mutterschafen zum Kräfte sammeln, um möglichst viel Energie in die Entwicklung der Lämmer stecken zu können.


Wann werden bei Ihnen die Lämmer geboren? Legen Sie die Ablammzeit passend zum Ostergeschäft
Die ostfriesischen Milchschafe können nur in der Zeit von August bis Dezember gedeckt werden. Da können wir wenig beeinflussen. Wir versuchen daher die Tiere so früh wie möglich zu decken, damit wir mit der Milchsaison gleich im Januar, wenn die neuen Lämmer geboren sind, starten können.

Da wir den Schwerpunkt nicht mehr auf das Fleisch, sondern auf Käsespezialitäten legen, möchten wir so viel Milch wie möglich von den Muttertieren ermelken. Daher werden unsere Lämmer schon nach einigen Tagen von der Mutter getrennt. Die Nachzuchtlämmer ziehen wir selber auf, die restlichen Lämmer verkaufen wir an Mäster oder an andere Züchter. Zu Ostern haben diese Lämmer ein Gewicht von 30 bis 40 kg und könnten dann als Osterbraten verkauft werden.


Was sind die Besonderheiten in der ökologischen Schafhaltung?
Bioschafe haben viel Platz im Stall und auf der Weide. Die EU- Biorichtlinien sowie die Verbandsrichtlinien schreiben hierfür einen Mindeststandard vor (1 ½ m² pro Tier im Stall und höchstens 13 Schafe pro Hektar auf der Weide), der von uns noch übertroffen wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fütterung mit ökologischem Futter aus eigenem Anbau. Wachstumshormone sind im ökologischen Landbau generell verboten.
Wenn die Lämmer von der Mutter getrennt werden, bekommen die Lämmer weiterhin natürliche Milch (Kuhmilch), denn Milchersatzprodukte sind auch verboten.
Sollten die Tiere einmal krank werden, so wird zuerst mit alternativen Heilmethoden versucht das Tier zu behandeln. Prophylaktische Behandlung gibt es bei uns gar nicht.
Natürlich sollen die Tiere nicht leiden, so dass wir in Ausnahmefällen auch Antibiotika geben müssen. Diese Tiere verlieren nach dreimaliger Behandlung innerhalb eines Jahres den Bio-Status. Mit diesen Tieren wird selbstverständlich nicht weitergezüchtet, so dass unsere Schafherde durch diese Selektion sehr viel robuster ist.


Wie sieht Ihr Tagesablauf als Schäferin aus?
Morgens hole ich als erstes die Tiere von der Weide und stehe dann ab 6.15 Uhr im Melkstand. Dort füttere ich die Schafe mit Getreide und Heu. Ich selber frühstücke so gegen 8 Uhr und habe dann meine Arbeitsbesprechung. In der Zwischenzeit haben auch die Schafe ihr Heu gefressen, so dass ich die Tiere wieder auf die Weide bringen kann.
Im Winter bin ich bis 16 Uhr mit Einstreuen, Futter besorgen, Reparaturarbeiten beschäftigt. Im Sommer steht das Umstecken von Weidezäunen und Pflegemaßnahmen wie beispielsweise das Klauen schneiden im Mittelpunkt. Abends werden die Tiere das zweite Mal gemolken. Nach circa zwei Stunden bringe ich die Schafe wieder zurück auf die Weide.

Wenn wir kleine Lämmer haben, kommt noch hinzu, dass ich drei mal am Tag warme Kuhmilch aus Nuckeleimern oder Rinnen verfüttere. Dies fordert relativ viel Zeit, macht aber auch besonders Spaß.



Was ist für Sie das schöne an der Schafhaltung?

Das tolle an unserer Schafhaltung ist, dass die Schafe besonders zutraulich sind. Milchschafe sind nämlich keine Herdentiere, sondern Einzelindividuen, die eine Bezugsperson brauchen. Und daher ist noch nicht einmal Futter nötig, um die Schafe auf die Weide zu locken. Sie folgen mir einfach so.
Was ganz Besonderes ist die Lammzeit. Sie ist sehr anstrengend, da ich auch nachts oft aufstehen muss, um nach den lammenden Tieren zu schauen und evtl. zu helfen. Aber auch wenn die Lämmer sehr viel Zuwendung benötigen ist es doch ein dankbarer Job.

Worauf sollten Verbraucher beim Kauf von Lammfleisch achten? Was zeichnet Lammfleisch aus?
Zum einen sollten Sie deutsches Lammfleisch kaufen, denn das Fleisch unterliegt strengen Kontrollen. Und dann sollte es möglichst Biofleisch sein. Die Vorzüge der Fütterung und Haltung habe ich ja schon benannt. Die mindestens einmal im Jahr stattfindende strenge Biokontrolle sorgt dafür, dass Sie sich als Verbraucher über die Bioqualität sicher sein können.

Außerdem schmeckt Bioschaffleisch durch das Gras und die vielen Kräuter von der Weide einfach würziger. Bei konventionellen Schafen wird dagegen häufig vor der Schlachtung noch eine Endmast im Stall durchgeführt, was sich negativ auf den Geschmack auswirkt.

Beim Kauf von Lammfleisch kann man eine einfache Regel befolgen. Junges Fleisch erkennt man an der hellroten Farbe. Je heller umso saftiger das Fleisch und umso weniger intensiv der Schafgeschmack, da es von jungen Tieren stammt.
Ein absoluter Geheimtipp ist das Fleisch von Milchschaflämmern, denn das ist besonders mild im Schafgeschmack und eignet sich deshalb auch gut für Einsteiger.

Wir danken Ihnen Frau Reps für das Interview

Stand: Juni 2006