Die Essensfälscher
Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen
Lebensmittelskandale gehören mittlerweile zum Alltag. Der Imitatschinken ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Staat vor der Macht der Industrie und dem Handel kapituliert. Trotz eindeutiger Kennzeichnungspflicht werden die Gesetze weiterhin gebrochen. Eine 2007 durchgeführte Untersuchung vom Landesamt für Verbraucherschutz in Niedersachsen ergab, dass 95,3 Prozent der untersuchten Gastronomiebetriebe Imitatschinken verwendeten und diesen in ihren Speisekarten als "Kochschinken" oder "Vorderschinken" deklariert hatten. Anstatt das der Staat daran umfassend etwas ändert, gibt es mittlerweile eine Reihe von Ratgebern dazu, wie sich der Verbraucher vor Imitatschinken schützen kann, kritisiert Thilo Bode in seinem neuen Buch "Die Essensfälscher".

Mit diesen und anderen Alltäglichkeiten befasst sich der Autor und Gründer der Verbraucherorganisation foodwatch und klärt über die Irreführungsstrategien der Lebensmittelindustrie auf. Man erfährt zum Beispiel, dass der Schokoriegelhersteller Mars das Gewicht von "Milky Way" von 26 auf 21,9 Gramm reduziert hat und der Riegel somit um gute 18 Prozent teuerer geworden ist. Außerdem stellt man fest, dass Schwarzwälder Schinken nicht von Schwarzwälder Schweinen kommt und Schokoladenpudding nur 5g Kakao enthalten muss, um als Schokoladenpudding angeboten und beworben zu werden. Bode kritisiert unter anderem die Vorgehensweise der Hersteller, Lebensmittel wie "Actimel" in der Werbung als "Arzneimittel" anzupreisen. So sei bei einer Vielzahl der entsprechenden Lebensmitteln keine Nachweis für eine nennenswerte Wirkung gegeben und die Verbraucher würden deshalb eindeutig getäuscht. Der Autor macht außerdem darauf aufmerksam, wie die Industrie auf den gesättigten Lebensmittelmärkten versucht die Konsumenten mit scheinbaren Neuinnovationen zu ködern. Diese Innovationen stellen sich dann in den meisten Fällen als minderwertiger Abklatsch eines bereits vorhandenen Lebensmittels heraus, welche sich als überflüssig und alles andere als gesundheitsförderlich erweisen. Auch die schwarzen Schafe des Biosektors bleiben von Bodes scharfem Blick nicht verschont.

Fazit:

Insgesamt spricht Bode in seinem Buch viele Problemfelder der Lebensmittelbranche an und bedient sich dazu vieler aktueller Beispiele. Er zeigt Möglichkeiten auf, sich als Konsument vor den Täuschungsversuchen der Industrie zu schützen. Durch die große Themenvielfalt im Buch, wird vieles allerdings etwas oberflächlich angesprochen. Das Buch eignet sich deshalb in erster Linie für Menschen, die einen Überblick über die Machenschaften der Lebensmittelhersteller erhalten möchten.

Jasmin Vettel, Umweltzentrum Hannover

Thilo Bode
Die Essensfälscher
Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen

224 Seiten, Broschiert
ISBN 978-3-10-004308-5
14,95 Euro
Herausgeber:
Fischer Verlag

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