Hintergrundinfo

Clean gelabelt - nicht immer sauber
Verbraucherzentralen prüften Marketingstrategie

Mit dem Ersatz von Geschmacksverstärkern, künstlichen Aromen sowie Farb- und Konservierungsstoffen durch andere wirksame Zutaten verpasst die Ernährungsindustrie vielen Lebensmitteln ein natürliches Image. Spezielle Angaben auf der Verpackung wie "ohne Zusatzstoffe" oder "keine Konservierungsstoffe" sollen auf einen Blick deutlich machen, dass diese Lebensmittel "clean" sind. Doch die mit knappen Verzichtserklärungen gekennzeichneten Produkte sind längst nicht so "sauber" wie dies auf der Verpackung suggeriert wird.

Zu diesem Ergebnis kommen die Verbraucherzentralen nach einer bundesweiten Markterhebung und der Überprüfung von 151 Lebensmitteln mit so genannten "Clean Labels". Daher fordern die Verbraucherschützer europaweit einheitliche Kennzeichnungsvorgaben, die Verbrauchern beim Kauf eine sinnvolle Orientierung bieten.

Der Verzicht auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe liegt in der Lebensmittelproduktion im Trend. Hersteller verpassen damit Getränken, Milchprodukten, Tiefkühlkost, Salaten und Fertiggerichten ein natürlicheres Image und machen dies auf ihren Produkten mit "Clean Labels" deutlich. Sie bedienen sich dabei aber nach Auffassung der Verbraucherzentrale Niedersachsen eines geschickten Taschenspielertricks: Bei vielen Produkten werden die missliebigen Stoffe durch scheinbar unverfängliche ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen.

So wurde bei 68 von 74 Produkten mit dem Verzicht auf Geschmacksverstärker wie Glutamat geworben, aber andere geschmacksverstärkende Zutaten - zum Beispiel Hefeextrakte - verwendet. Doch Hefeextrakte enthalten ebenfalls Glutamat, was jedoch nicht angegeben werden muss. Rund zwei Drittel der Lebensmittel erhielten ihr Aussehen ausdrücklich nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch andere Ingredienzien wie Rote-Bete-Pulver oder Chlorophyll. Auch bei der Verwendung von Aromastoffen griffen die Hersteller in die Trickkiste: Bei sieben von zehn Produkten, die laut Etikett "ohne künstliche Aromen" hergestellt wurden, verwendeten sie stattdessen Geschmackstoffe, die nicht als künstlich gelten, jedoch trotzdem aus dem Labor stammen. Der Wildwuchs an verwendeten Formulierungen (59 unterschiedliche Bezeichnungen bei 151 Produkten), die allesamt auf den Verzicht von Chemie hindeuten, ist für Verbraucher höchst verwirrend.

Fazit des Clean-Labeling-Checks der Verbraucherzentralen: Eine höhere Qualität bei Lebensmittelprodukten, die explizit auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten, ist kaum erkennbar. "Bei dem derzeit vorherrschenden Kennzeichnungswirrwarr tragen die angeblich sauberen Labels eher dazu bei, Verbraucher beim Kauf eine falsche Verlässlichkeit vorzugaukeln", moniert Hedi Grunewald, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale. Sie fordert vom Gesetzgeber daher, klare rechtliche Regelungen für die Gestaltung und Verwendung von Clean Labels zu schaffen und Schlupflöcher zu schließen. So sollte auf einer Verpackung etwa die Angabe "ohne Geschmacksverstärker" nur dann zulässig sein, wenn weder Geschmacksverstärker noch Ersatzstoffe bei der Herstellung verwendet
werden.

Den Bericht "ohne Zusatzstoffe - Clean Labeling: Werbeaussagen kritisch beleuchtet" sowie "Beispiele für täuschende Cleanlabel-Auslobungen" gibt's hier als kostenlosen Download.