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Fair stärken

Zum Auftakt der Fairen Woche 2011 erklären Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Agrogentechnik, und Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung:

Während der Fairen Woche werden in diesem Jahr eine beeindruckende Vielfalt und Qualität von Produkten und Konzepten präsentiert. Der faire Handel boomt, allein 2010 ist der Umsatz um 26 Prozent gewachsen. Von den Vorteilen fairer Preise und langfristiger Abnahmegarantien profitieren heute schon über sechs Millionen Menschen.

Dennoch liegt Deutschland im europäischen Vergleich beim Umsatz mit fair gehandelten Produkten nur im Mittelfeld. Pro Kopf geben etwa Menschen in Großbritannien oder der Schweiz sieben- bis zehnmal mehr für faire Produkte aus als die Deutschen. Hier sind der Handel und die Ernährungswirtschaft gefordert, mehr fair produzierte und gehandelte Waren anzubieten.

Auch die Politik kann und muss handeln: Die schwarz-gelbe Bundesregierung äußert öffentlich Sympathie für den fairen Handel, die konkrete Agrar- und Entwicklungspolitik spricht eine andere Sprache. Die von Landwirtschaftsministerin Aigner in Kauf genommene Überproduktion von Lebensmitteln wie Milch und Fleisch verstärkt den Marktdruck auf die Länder des Südens. Entwicklungsminister Niebel versteht Entwicklungszusammenarbeit vor allem als Wirtschaftsförderung für deutsche Unternehmen. Dabei könnten noch viel mehr Menschen in den Ländern des Südens von den Vorteilen des Fairen Handels profitieren, wenn sie Unterstützung bei der Organisation von Fairtrade-Zertifizierung und Vermarktung bekämen.

Glaubwürdig wird politisches Engagement für den fairen Handel nur, wenn nicht nur im Süden, sondern auch bei uns faire Produktions- und Vermarktungsbedingungen gefordert und gefördert werden.

Wir fordern die Bundesregierung auf, den warmen Worten zum Fairen Handel endlich Taten folgen zu lassen und besonders die kleinbäuerlichen Strukturen des Südens bei der Umsetzung von ökologischen und Fair-Konzepten aktiv zu unterstützen. Die Förderung der Massenproduktion von Milch und Fleisch muss gestoppt und stattdessen die Agrarförderung national wie auch bei der Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik nach ökologischen und Fairtrade-Kriterien ausgerichtet werden. Im Rahmen der Kooperation mit der Welternährungsorganisation müssen die Programme zur Verbesserung der strukturellen und institutionellen Bedingungen für die Zertifizierung von ökologisch erzeugten und fair gehandelten Produkten massiv ausgeweitet werden. Nicht zuletzt müssen auch die Einrichtungen von Bundestag, Bundesministerien und Bundesbehörden Produkte wie Kaffee und Tee flächendeckend aus fairem Handel beziehen.