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Gen-Mais-Kontamination:
Verhindern Interessenkonflikte im Bauernverband die Aufklärung?

Der Gen-Mais-Skandal nimmt kein Ende. Nachdem die Kontamination des Maissaatgutes die Bauern um bisher geschätzte 4 Millionen Euro geschädigt hat, zweifeln betroffene Landwirte am Interesse des Bauernverbandes an einer rückhaltlosen Aufklärung des Skandals. Landwirte, Saatguthändler, der BDM, das Bündnis freie Bauern und Bürger gegen Gentechnik, Zivilcourage sowie das internationale Netzwerk Aktion Gen-Klage kritisieren die Rolle des Bauernverbands bei der gerichtlichen Aufarbeitung der Folgen des diesjährigen Gen-Mais-Saatgut-Skandals.

Der Bauernverband fordert seit Jahren eine Beendigung der Nulltolleranz für GVO im Saatgut und begründet dies mit der angeblichen Allgegenwart von GVO, welche es den Saatguthändlern auch bei größter Sorgfalt unmöglich mache, Saatgut ohne GVO-Spuren zu liefern. Damit teilt der Bauernverband die Haltung von Pioneer Hi Bred, also der Firma, welche den diesjährigen Saatgutskandal verursachte. Gleichzeitig bietet der Bauernverband an, vom Saatgutskandal betroffene Landwirte bei ihren Schadensersatzprozessen gegen die Firma Pioneer zu unterstützen.

Es bestehen erhebliche Zweifel, ob ausgerechnet vom Bauernverband geführte Prozesse den betroffenen Landwirten bei der Durchsetzung ihrer Schadensersatzansprüche helfen können. Denn wer zusammen mit dem Täter Pioneer die Legalisierung von GVO-Spuren im Saatgut fordert, kann keine Landwirte vertreten, die Opfer solcher GVO-Spuren sind. Schadensersatz können die Landwirte gegen Pioneer nur dann durchsetzen, wenn rückhaltlos aufgeklärt wird, ob - was viele vermuten - Schlamperei die Ursache hierfür war. An einer solchen Aufklärung kann jedoch der Bauernverband kein Interesse haben. Denn sollten die Prozesse ergeben, dass nicht die angebliche Allgegenwart von GVO, sondern Schlamperei bei Pioneer der Grund für die GVO-Spuren war, hätte der Bauernverband seine Forderung nach einem Ende der Nulltoleranz durch von ihm selbst geführte Prozesse beerdigt. Es wäre dann gerichtlich geklärt, dass bei entsprechender Sorgfalt GVO-freies Saatgut gewährleistet werden kann und Nulltoleranz sehr wohl möglich ist.

Betroffene Landwirte sollten daher ihre Schadensersatzansprüche gegen Pioneer von unabhängigen Anwälten führen lassen, die sich ohne Interessenkonflikte voll für Ihre Mandanten einsetzen können. Die Unterzeichner dieser Pressemitteilung bieten hierzu Informationsveranstaltungen an. Die Bauern können sich auch an einer unabhängig geführten "Sammelklage" der Aktion GEN-Klage zur vollen Entschädigung aller entstandenen Schäden und auch der Folgeschäden beteiligen. "Es ist jetzt wichtig, dass wir wirklich eine Ersetzung aller Schäden komplett einfordern und - noch wichtiger - die Bauern sich auch melden und ihre Schäden ersetzt bekommen wollen - nur so können wir verhindern, dass diese absichtlichen "Kontaminiationsversuche" von Jahr zu Jahr weiter um sich greifen. Eine Firma, die so etwas macht muss für die Folgen voll haften!" so Lüst.