Hintergrundinfo

Biofisch - ein fauler Kompromiss

Passau, 12. Juli 2010 - Fisch ist gesund - keine Frage. Laut Ernährungsberatung sollte er möglichst zwei Mal die Woche auf dem Speiseplan stehen. Aufgrund der wachsenden Nachfrage kann in der Zwischenzeit der Fischhunger auch biologisch gedeckt werden. Nicht zuletzt durch die Regelungen der EU dürfen Fische seit 2010 das begehrte Biosiegel tragen, das ihre ökologische Herkunft bestätigt.

Wer nun glaubt, dass Biofisch ein Garant für einen nachhaltigen Beitrag gegen die Überfischung unserer Meere ist und zu einer artgerechten Tierhaltung beiträgt, der irrt gewaltig. Denn sowohl die Fütterung als auch die Haltung der biologischen Käfigfische sind in den EU-Vorgaben nicht nachhaltig geregelt.

Um ein Kilogramm biologischen Raubfisch wie Lachs in Aquakultur zu erzeugen, braucht man bis zu vier Kilogramm gefangenen Wildfisch. In der Regel sind das Fische und Fischabfälle von jenen Fischfangflotten, die für die Überfischung der Meere verantwortlich sind. Steht man auf dem Standpunkt, dass es keinen nachhaltigen Fischfang geben kann, da jeder dem Meer entnommene Fisch schlichtweg fehlt, verbietet sich der Fang von Fischen für Futterzwecke von selbst.

Die meisten Menschen, die sich für Biofisch entscheiden sind überzeugt, dass ihnen das Etikett Bio neben der nachhaltigen Fütterung auch eine artgerechte Haltung garantiert. Viele gehen sogar davon aus, dass biologischer Fisch in freier Natur lebt und sein arttypisches Verhalten ausleben kann. Auch hier entspricht der Biofisch nicht der Verbrauchererwartung bzw. dem, was der Kunde bei herkömmlichen Biolebensmitteln erwarten darf. Gerade die Haltung von Meerestieren in biologischer Aquakultur ist häufig wirtschaftlich nur derart zu gestalten, dass man angeborene Verhaltensweisen der Tiere ignoriert und ganz oder teilweise bricht. Der Lachs, bekannt als Einzelgänger und Räuber, wird in der biologischen Aquakultur zum Schwarmfisch. Durch die Haltung in begrenzten Räumen wird er extrem unter Stress gesetzt. Das ist auch bei den Friedfischen wie Talapia und Pangasius so. Doch damit nicht genug: Damit beim Shrimp in Gefangenschaft die Fortpflanzung funktioniert, wird ihm kurzerhand eines der beiden Stielaugen abgetrennt. "Die gesamte Biobranche sucht heute nach Lösungen, wie Eingriffe bei Tieren möglichst schmerzfrei bewerkstelligt werden bzw. ganz unterbleiben können. Ein Produktionsverfahren 'Bioshrimps', das das
Entfernen eines Auges als Voraussetzung für eine Aufzucht im Käfig hat, verdient meines Erachtens das Prädikat "bio" nicht!" so Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis, der sich grundsätzlich gegen die Haltung von Tieren in Käfigen ausspricht, denn ein Käfigfisch ist ebenso wenig akzeptabel wie ein Käfighuhn.

Doch nicht nur diese grundlegenden Widersprüche lassen die biologische Aquakultur bei Lachs, Shrimps, Tilapia und Pangasius fraglich erscheinen, es sind die ökonomischen Entwicklungen, die die ökologischen Grundsätze ins Wanken bringen. Die Nachfrage nach Fisch steigt stetig. Auch Biofisch hat Konjunktur. Und so werden jährlich viele Tonnen Fisch aus Südamerika und Asien mit hohem Energieaufwand nach Deutschland gebracht. Darüber hinaus braucht es um den Bedarf der Welt nach Fisch zu decken, immer größere Strukturen - der kleine Fischer vor Ort bleibt auch in der biologischen Erzeugung oftmals auf der Strecke. Ein Grund mehr für den Biokreis sich gegen Aquafarming in Käfigen auszusprechen.

Biokreis

Im Zeichen der zwei Ähren arbeiten rund 800 Biobauern und 75 ökologische Verarbeiter für den Erhalt bäuerlicher Landwirtschaft und handwerklicher Lebensmittelverarbeitung zusammen.