Bio-Hannover Event
 
Titel der Veranstaltung:
BUCHLUST 2006 - Ausstellung und Lesungen
Zeit und Ort: 18.11.2006 - 10.- 18.00 Uhr, D-30159 Hannover (Ausstellung)
Anschrift:Sophienstr. 2
Inhalt:
20 der besten Kleineren Verlage und Kunstpressen aus Niedersachsen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz

Natürlich ist der November auch in diesem Jahr wieder der "BUCHLUST"-Monat im Künstlerhaus Hannover! Neben den Verlagen aus Niedersachsen zeigen Verleger aus den Bundesländen Rheinland-Pfalz und Saarland ihre Bücher und Buchkunst. Auf der Buchlust-Bühne gibt es während des Ausstellungs-Wochenendes insgesamt sieben Lesungen zu erleben.

So liest am Samstag, 18.11., um 14 Uhr zunächst die Wallstein-Autorin Sabine Peters aus ihrem Israel-Roman "Singsand". Mit Einfühlungs-vermögen und klarem Blick schildert die Hamburger Autorin darin die menschliche Seite des israelisch-palästinensischen Konflikts. Moderiert wird die Lesung von Thorsten Ahrend, einst Suhrkamp-Lektor, jetzt beim Wallstein Verlag.

Gleich darauf, um 15.30 Uhr, haben wir einen Star zu Gast: Miroslav Nemec ist seit den 90er Jahren vor allem als Münchener "Tatort"-Kommissar Ivo Batic bekannt und wurde für diese Rolle bereits mit dem "Goldenen Löwen" und dem "Bayerischen Fernsehpreis" ausgezeichnet. Kaum ein Schauspieler eignet sich also besser, aus dem aktuellen Kriminalroman des zur Zeit international erfolgreichsten indischen Autors zu lesen, aus Vikram Chandras "Der Gott von Bombay".

Um 17 Uhr schließlich inszeniert der hannoversche Performance-Poet Mirco Buchwitz auf der Buchlust-Bühne seine Hörspiel-, Songtexte und Lyrik zusammen mit Musikeinlagen zu einer humorvollen und dennoch tiefsinnigen Achterbahnfahrt - Titel der bei zeter & mordio als Hörbuch erschienenen Texte: "Bis dahin".

Begeben wir uns am Buchlust-Samstag mit Israel und Indien literarisch schon in brisante Gegenden der Welt, so bestimmt am Sonntag vor allem die Frage nach dem politischen Gewissen der Literatur das Lesungsprogramm - eine Frage, die erst jüngst durch die Mediendebatte um Günter Grass neu in Gang kam. Einige der unterschiedlichen, z.T. auch widersprüchlichen Blickwinkel aufs Thema "Literatur und Moral - Literatur und political correctness - Literatur und Vergangenheitsbewältigung" beleuchten wir mit unseren Lesungen am Buchlust-Sonntag.

Ohne als Moralist zu argumentieren, vielmehr auf subtile und gewohnt unorthodoxe Weise fragt Fritz J. Raddatz in seinem bei zuKlampen erschienenen Essay-Band "Schreiben heißt, sein Herz waschen" genau dies: Gibt es Kunst ohne Gewissen? Worin besteht die Verbindung zwischen Ästhetik und Moral? Vergiftet Ideologie das Schreiben?

Am Sonntag, 19.11., um 11.00 Uhr liest der streitbare Literaturprofessor, der lange stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags und fast ein Jahrzehnt Feuilletonchef der ZEIT war, einige seiner fulminanten literarischen Essays zu Thomas Mann, Robert Musil, Bertolt Brecht, Walter Kempowski, Christa Wolf und anderen.

In dem Roman "Angst und Zauber" setzt sich Xavier Grall (1930-1981), bretonische Literatur-Ikone, intensiv mit dem französischen Algerienkrieg und der damit entstandenen Schuld auseinander. Wie der Protagonist seines Buches wurde auch Grall als Reservist zum Algerienkrieg eingezogen und schaffte mit "Angst und Zauber" ein atemloses, drastisches Bild des Krieges, aber auch des afrikanischen Kontinents, das uns dessen Übersetzer Holger Naujokat um 13.30 Uhr - in einer teils französisch, teils deutschen Lesung - vorstellt.

Um 15.00 Uhr betritt ein bekannter Autor die Buchlust-Bühne: Klaus Modick schreibt, wie sein Protagonist, der Schriftstellers Lukas Domcik, der zwar nicht wie Modick bei Eichborn, aber dafür beim Verlag "Lindbrunn" veröffentlicht, einen "Bestseller". So lautet der Titel seines neuesten Romans, einer frechen Satire auf den deutschen Literaturbetrieb, die mit viel Ironie und Erzähllust von skrupellosen Verlegern, selbstgefälligen Rezensenten, mondänen Buchmessenpartys und größenwahnsinnigen Möchtegernautoren erzählt und dabei auch das medial zelebrierte und lukrative Vergangenheitsbewältigen ins Visier nimmt.

Vom öffentlichen Betroffenheitswahn als scheinheiliger Floskel wird dann noch eine letzte, scharfe Kurve geschlagen zur Frage nach der öffentlichen Geschichtsverdrängung. Den Abschluss des Buchlust-Lesungsprogrammes macht um 16.30 Uhr der Politikwissenschaftler und Jurist Prof. Joachim Perels, dessen Buch "Entsorgung der NS-Herrschaft" beim Offizin Verlag erscheint.
Mit Scharfsinn und leiser Melancholie beleuchtet er die Schattenseiten der demokratischen "Erfolgsgeschichte" der Bundesrepublik Deutschland - vor allem die Tendenz der bundesdeutschen Justiz nach 1945, den Widerstand gegen Hitler als illegal zu beurteilen, Straffreiheit für Schreibtischtäter zu gewähren und Kriegsverbrechen der Wehrmacht zu entschuldigen.

Veranstalter: Literaturbüro Hannover e.V. und Kulturbüro der Stadt Hannover, Sophienstr. 2
Telefon: 0511 / 88 72 52; Fax: 0511 / 809 34 07
E-Mail: infoliteraturbuero-hannover.de
www.literaturbuero-hannover.de


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